Transformationen der Wunderkammer
Im Zentrum des Netzwerks stehen intermediale Dynamiken einer frühneuzeitlichen Sammlungs- und Ausstellungstradition, welche seit dem 18. Jahrhundert in Auflösung begriffen gilt und der dennoch regelmäßig eine ‚Wiederkehr‘ (Henning Ritter) bescheinigt wird: der Wunderkammer.
Das Netzwerk verfolgt einerseits einen historischen Ansatz, indem es den Konnex ausliterarischen Texten, Wissensdiskursen, Ikonografien und kulturellen Praktiken seit der Antike in den Blick nimmt, welche, so die These, die Wunderkammer mit hervorgebracht haben. Andererseits wird die Perspektive auf die Gegenwart hin erweitert, um Aneignungen in Gegenwartsliteratur und -theater, Installationen und Ausstellungen sowie digitalen Medien (Websites, Social Media) zu untersuchen. Eine Leitfrage lautet, welche aktuellen gesellschaftlichen Anliegen das Modell der Wunderkammer geeignet ist zu verhandeln. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die Tradition der Ausstellung hybrider Objekte und ‚Monstra‘ einen Faszinationstyp darstellt, außerdem gibt der Anthropozän als Krisenerfahrung Impulse, um in der Wunderkammer alternative Formen des Umgangs mit der Umwelt zu explorieren. Einsinnige Fortschrittsgeschichten, klare Wissensordnungen und Dichotomien können in den Transformationen der Wunderkammer offenbar an Grenzen geführt und durch fluide Konzepte von Identitäten, Kulturen und Haltungen abgelöst werden.
Zugleich trägt der Umgang mit der Wunderkammer unübersehbar nostalgische Züge. Historische Zeugnisse können hier einen romantisierenden Blick auf die Transformationen der Wunderkammer in der Gegenwart korrigieren und Aspekte von Macht, Herrschaft und Formen kolonialer Ausbeutung zur Geltung zu bringen, welche die Wunderkammer immer
mit ermöglicht haben.
Members:
Prof. Dr. Jutta Eming (Project Leader), Freie Universität Berlin (Ältere deutsche Literatur)
Dr. Elisabeth Heyne, Naturkundemuseum Berlin (Neuere deutsche Literatur, Wissensgeschichte)
Prof. Dr. Irmela Krüger-Fürhoff, Freie Universität Berlin (Neuere deutsche Literatur9
Prof. Dr. Jan Lazardzig, Freie Universität Berlin (Theaterwissenschaft)
Prof. Dr. Kathrin Müller, Freie Universität Berlin (Kunstgeschichte)
Prof. Dr. Claudia Olk, Ludwig Maximilian Universität München (Anglistik)
Carolin Pape, Freie Universität Berlin (Ältere deutsche Literatur)
PD Dr. Tilo Renz, Ludwig Maximilian Universität München (Ältere deutsche Literatur)
Prof. Dr. Bernd Roling, Freie Universität Berlin (Mittellateinische Philologie)
Weitere Interessent*innen sind willkommen und melden sich dafür bitte bei Jutta Eming oder Carolin Pape unter den Emailadressen j.eming@fu-berlin.de bzw. carolin.pape@fu-berlin.de.
The Netzwerk's first workshop takes place on July 3, 2026, on the subject „Verlust, Verfall, Nostalgie in der Wunderkammer.“
