Thementag zur Lehre 2026: Zukunftskompetenzen in der Hochschullehre
Der Thementag zur Lehre ist ein Tag des Austauschs: Wir kommen zusammen, teilen Erfahrungen aus der Lehrpraxis und lernen neue Ansätze kennen. Der diesjährige Thementag widmet sich der Frage, wie sich Hochschullehre heute gestalten lässt – mit Blick auf eine Zukunft, die sich nicht eindeutig vorzeichnen lässt. Wie können wir Studierende – und uns selbst – dabei unterstützen, kritisch und reflektiert zu denken, kreativ und mutig mit Unsicherheit umzugehen und zugleich resilient auf Veränderungen, etwa durch den Einsatz von KI, zu reagieren?
Den Auftakt des Thementags bildet die Keynote „Zukunftskompetenzen als Herausforderung für Hochschulen“ von Prof. Dr. Tobias Seidl. Die Keynote beleuchtet, warum Zukunftskompetenzen gerade jetzt besondere Aufmerksamkeit verdienen und wie sie sich für die Hochschullehre konkretisieren lassen. Danach gibt es Raum für Kaffee und Wiedersehen, bevor wir Impulse von Kolleg*innen aus der gesamten Freien Universität hören, wie sich Hochschullehre an der FU flexibel und zukunftsfähig gestalten lässt.
Im Laufe des Tages gibt es viel Raum, selbst aktiv zu werden: Knüpfen und vertiefen Sie Kontakte beim Networking-Lunch und in der Postersession oder probieren Sie neue Formate in unseren kurzen Hands-on-Workshops aus. Zum Abschluss können Sie in der interaktiven Paneldiskussion buchstäblich Teil des Panels werden – mit u.a. den Nominierten und Preisträger*innen des Berliner Landeslehrpreises: Auf einem offenen Stuhl auf dem Podium können Sie jederzeit Platz nehmen, Ihre Perspektive einbringen und direkt mitdiskutieren.
Machen Sie mit – und tragen Sie dazu bei, dass Zukunftskompetenzen in Studium und Lehre an der FU lebendig werden.

Programm Thementag 2026
Prof. Dr. Tobias Seidl: Hochschule der Medien, Stuttgart
Abstract
Wie bereiten wir Studierende auf eine Zukunft vor, die wir heute noch nicht kennen? Hochschulen stehen vor der Aufgabe, junge Menschen zu befähigen, ihre eigene und unsere gemeinsame Zukunft aktiv und verantwortungsvoll mitzugestalten. Für Lehrende stellt sich damit eine zentrale Frage: Welche Kompetenzen brauchen Studierende dafür – und wie können sie diese im Studium erfolgreich entwickeln?
Die Keynote beleuchtet, warum Zukunftskompetenzen gerade jetzt besondere Aufmerksamkeit verdienen und wie sie sich für die Hochschullehre konkretisieren lassen. Sie zeigt Ansatzpunkte für die Gestaltung von Curricula und Lernprozessen und lädt dazu ein, die eigene Lehre zu reflektieren und konkrete Handlungsmöglichkeiten für die Lehrpraxis zu entdecken.
Austauch bei Kaffee, Tee und Snacks
Kurze Impulse von Lehrenden und Studierenden (ca. 15 Minuten) + Diskussion
Dr. Julia Möller-Klapperich:
Zukunftskompetenzen in einem dynamischen Bildungs- und Arbeitsumfeld – Wie vermitteln wir KI-Kompetenzen für eine Rechtswissenschaft im Umbruch?
Seminararbeiten werden von KI geschrieben --- KI löst Übungsfälle und Hausarbeiten müssen als Prüfungsform abgeschafft werden --- Studierende erstellen sich aus Vorlesungsfolien ihre eigenen KI-Tutoren --- Gerichte werden von KI-generierten Klagen überschwemmt --- Anwälte zitieren in Schriftsätzen erfunden Quellen --- Kanzleien fordern von Bewerbern Erfahrungen im Umgang mit KI --- Und eine promovierte Juristin spielt mit ihren Studierenden an der FU Berlin Lego und Theater!?
Der Vortrag beschreibt die innovative Veranstaltung „KI in der Rechtswissenschaft und Rechtspraxis - #KIRR“. Sie verbindet die Vermittlung von KI-Kompetenzen mit der Förderung von Kreativität und Selbstvertrauen, um Studierende auf ihre Rolle als Gestalter*innen einer dynamischen und technologie-geprägten Wissenschaft und Praxis vorzubereiten.
Dr. Tanja Kubes:
Feministische KI lehren: kritische Zukunftskompetenz für alle Fächer
KI gilt als objektiv und schreibt doch bestehende Ungleichheiten fort. Wie macht man das in der Lehre sichtbar? In meinem Seminar „Feministische KI" entwickeln Studierende die Kompetenz, hinter die vermeintliche Neutralität von Technik zu blicken und zu fragen: Wessen Zukunft wird hier gebaut? Ich gebe einen kurzen Einblick, wie ich das Seminar didaktisch aufgebaut habe, welche Methoden ich einsetze und wie ich Studierende unterschiedlicher Disziplinen aktiv einbinde. Ein Format, das jedes Semester ausgebucht ist und regelmäßig über 50 Studierende aus verschiedenen Fächern zusammenbringt. Im Zentrum steht das Feminist AI Framework (FAIF), das technische, soziale und ökologische Perspektiven zusammendenkt und kritische KI-Kompetenz als zentrale Zukunftskompetenz begreift.
Der Input liefert konkrete, übertragbare Anregungen für alle, die Digitalisierung und gesellschaftliche Verantwortung in ihrer Lehre verbinden wollen. Mehrere dieser Methoden stammen aus meinem Buch „Code und Care. Mit feministischer KI die Welt gerechter gestalten" (2026), das konkrete Übungen und Praxisbeispiele zum Übertragen in die eigene Lehre versammelt.
Michael Migacev
Lehre über KI hinaus: Wenn KI alles kann
Mit KI ist es möglich Seminararbeiten zu schreiben, Hausaufgaben zu lösen und sich auf die Klausur vorzubereiten. KI wird zunehmend zum Arbeitsalltag und löst auch Probleme in der Mathematik. Die Unterschiede zwischen einem Uniabschluss und einem Chatbot-Zugang werden zunehmend geringer. Somit steigen die Anforderungen an Experten, Studierende und vor allem Lehrende.
Der Beitrag beschreibt den Wandel des Lernumfeldes durch KI und diskutiert dessen Folgen. Er bietet Fragestellungen welche diesbezüglich in der Lehre zunehmend relevant werden und vermittelt konkrete Beispiele aus eigener und anderer Lehre für den Umgang mit dem neuen Lernumfeld.
Prof. Dr. Thomas Rixen, Dr. Katja Reinecke, Nicolas Endres:
GemeinschaftsBildung: Ein Living Lab für Zugehörigkeit, Gemeinschaft und kooperative Lernkulturen an der FU Berlin
Hochschulen sind mehr als Orte der Wissensvermittlung, sie sind soziale Räume, in denen Lern- und Beziehungskulturen entstehen, die das gesamte Studium prägen. Forschung zeigt deutlich: Studierende, die sich zugehörig fühlen und in kooperative Strukturen eingebunden sind, lernen besser, bleiben motivierter und schließen ihr Studium erfolgreicher ab.
Auch der Wissenschaftsrat betont in seinen neusten Empfehlungen für die Hochschulbildung in Zeiten von generativer KI (Juli 2026, S.55-56), dass sozialer Austausch zwischen Lehrenden und Studierenden und die Stärkung der Zugehörigkeit und sozialen Eingebundenheit als ein genuiner Bestandteil des Studiums und folglich der Lehraufgaben vorzusehen sei. Genau da setzt unser Vorhaben an.
Das Living Lab GemeinschaftsBildung ist ein partizipatives Forschungs- und Entwicklungsprojekt an der Freien Universität Berlin. Gemeinsam mit Studierenden, Lehrenden und Verwaltungsmitarbeitenden erproben wir, wie Zugehörigkeit und gegenseitige Unterstützung als fester Bestandteil des Studienalltags gestaltet werden können, eingebettet in bestehende Lehrformate.
Valery Schlegel:
Antike und Moderne "Magie": Archäologisches Arbeiten mit KI
Mit Informationsständen der
- Qualifizierung für Mentoring und Tutoring des Career Service;
- Universitätsbibliothek, Lehr- und Lernservices, Auskunft und Teaching Library und
- UNA Europa (European university alliance)
- Toolbox Gender und Diversity in der Lehre
- Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie
René Perfölz:
KI.Assist@FU effektiv in der Lehre einsetzen
KI-Chatbots antworten schnell und flüssig, liefern jedoch vielfach Ergebnisse, die sich nicht unmittelbar für die eigene Lehre nutzen lassen. Die Qualität des Outputs lässt sich indes gezielt beeinflussen. Maßgeblich sind dabei drei Faktoren: die Auswahl eines für die jeweilige Aufgabe geeigneten Modells, die bereitgestellte Datenbasis und die Präzision des Arbeitsauftrags. Eine bewusste Steuerung ist zugleich ein Beitrag zum ressourcenschonenden Einsatz, denn nicht jede Aufgabe erfordert das leistungsfähigste Modell, und präzise formulierte Anfragen machen aufwendige Korrekturschleifen entbehrlich.
Nach einem kompakten Überblick über Funktionen, Grenzen und rechtliche Rahmenbedingungen von KI.Assist@FU liegt der Schwerpunkt des Workshops auf der praktischen Erprobung. In zwei Übungsphasen arbeiten Sie exemplarisch an ausgewählten Anwendungsfällen aus der Lehre und erfahren unmittelbar, wie sich Modellwahl und Aufbau des Arbeitsauftrags auf die Ergebnisse auswirken. Ziel ist die Übertragung dieser Erfahrungen auf Ihre eigenen Aufgaben. Im Austausch mit den übrigen Teilnehmenden ordnen Sie Ihre Beobachtungen ein und gewinnen konkrete Ansatzpunkte für die eigene Lehre.
Für die praktischen Übungen bringen Sie bitte ein eigenes Gerät mit, bevorzugt einen Laptop. Ich empfehle Ihnen, sich vorab einmal bei KI.Assist anzumelden: https://assist.ki.fu-berlin.de/login
Dr. Ruth Tobias, Dr. Nadia Fischer:
Lehre global denken, lokal umsetzen: Collaborative Online International Learning (COIL) in der Praxis - Ideen entwickeln, Partner finden, Lehre gestalten
Collaborative Online International Learning (COIL) beschreibt nicht nur einen Ansatz, sondern die Eckpunkte einer Praxis des Lehrens und Lernens, bei der Studierende und Lehrende aus verschiedenen Ländern und Kulturen zusammenkommen, um gemeinsam zu lernen, zu diskutieren und zu zusammenzuarbeiten. Hieraus entstehende Projekte profitieren von den unterschiedlichen Erfahrungen, Perspektiven und Hintergründen aller Beteiligten – der Studierenden wie auch der Lehrenden. Sie schaffen zukunftsweisende Möglichkeiten, globale Erfahrungen @home zu sammeln und sowohl fachliche als auch digitale, persönliche und interkulturelle Kompetenzen weiterzuentwickeln.
Nur wie kann eine solche Praxis konkret aussehen? Wie kann COIL im eigenen Lehr-Lern-Kontext eingebunden und in die bestehenden Studienprogramme integriert werden? Welche Themen & Projekte eignen sich dafür? Welche Aspekte sind bei der Planung und Umsetzung zu berücksichtigen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Workshops, der die Teilnehmenden dazu einlädt, erste Ideen für ein eigenes COIL-Projekt zu entwickeln, mit dem man auf Partnersuche gehen kann.
Workshop-Sprachen: Deutsch & Englisch
Austauch bei Kaffee, Tee und Snacks
Wie kann Lehre Studierende nicht nur für den heutigen, sondern auch für den zukünftigen Alltag in Wissenschaft, Beruf und Gesellschaft stärken? Wie können wir in der Hochschullehre Räume schaffen, um gemeinsam flexibel auf neue Anforderungen reagieren zu können? Wo gibt es heute bereits Spielräume für Anpassung in der Lehre – und wo bräuchten wir andere Formate und Strukturen, um flexibel reagieren zu können?
Auf diesem interaktiven Panel diskutieren Lehrende, die für ihre Lehre ausgezeichnet wurden, gemeinsam mit engagierten Studierenden, wie sich Hochschullehre an der FU flexibel und zukunftsfähig gestalten lässt. Ausgehend von ihrer eigenen Lern- und Lehrpraxis erzählen/erklären sie, welche didaktischen Entscheidungen sie treffen, wo sie Freiräume nutzen und wo sie auf Grenzen stoßen.
Das Besondere am Format:
Die Paneldiskussion ist nicht nur ein Gespräch unter den Eingeladenen. Neben den festen Plätzen gibt es einen offenen Stuhl auf dem Podium. Dieser Platz ist für Sie:
Als Lehrende, Studierende, Mitarbeitende oder Interessierte können Sie jederzeit nach vorne kommen, dort Platz nehmen, Ihre Perspektive einbringen und direkt mitdiskutieren. Fragen Sie nach, widersprechen Sie, ergänzen Sie – und werden Sie Teil des Panels.
Mitglieder des Panels:
- Jannis Grimm (Zentrum für interdisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung): Preisträger des Berliner Landeslehrpreises 2026
- Max Willert (FB Mathematik-Informatik): Lehrpreis-Nominierter in der Kategorie Vermittlung von Grundlagenwissen und -kompetenzen
- Manuela Barney Seidel (Institut für Romanische Philologie): Lehrpreis-Nominierte in der Kategorie Förderung der selbstständigen Hervorbringung von Wissen und Kompetenzen
- Studierende (TBA)
-Offener Stuhl (Dieser Platz ist für Sie!)

