Vortrag von SFB Fellow Marie Lunau
Was bedeutet es, die Geschichte queerer Frauen zu schreiben, die im Archiv kaum Spuren hinterlassen haben — und wie lässt sich das tun, ohne die Gewalt des Archivs zu reproduzieren? Dieser Vortrag folgt zwei Arbeiterinnen im Dänemark des späten 19. Jahrhunderts: Flora Mathilde Freigaard Larsen und Agnes Nathalie Olsen, deren Leben von Intimität, Sexarbeit und Überwachung geprägt war. Durch Krankenakten, Polizeiprotokolle und Floras Liebesbriefe an Agnes aus dem Jahr 1899 — Agnes' Antworten fehlen — wird das Archiv als Ort des Heimsuchens erkundet: voller Lücken, Echos und unbeantworteter Zuneigung.
Im Rückgriff auf Cvetkovichs „archive of feeling“, Gordons Begriff des „haunting“ und Hartmans „critical fabulation“ fragt die queer-Theoretikerin und SFB Fellow Marie Lunau, wie spekulative und affektive Formen historischer Forschung Raum schaffen können für Leben, die im Archiv nur fragmentarisch erscheinen.
Sprache: Englisch
Time & Location
Jun 29, 2026 | 04:00 PM
Freie Universität Berlin,
Habelschwerdter Allee 45,
Raum JK 31/125
