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Vortrag | Der Koran als Kunstwerk. Schrift, Ornament und die Ästhetik des Heiligen

03.11.2026 | 18:15 - 19:45
Symmetrische islamische Manuskriptillumination

Symmetrische islamische Manuskriptillumination
Bildquelle: Museum für Islamische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Eine Ringvorlesung des Instituts für Judaistik der Freien Universität Berlin


Der Koran als Kunstwerk. Schrift, Ornament und die Ästhetik des Heiligen

  • Prof. Dr. Claus-Peter Haase
    Kunsthistorisches Institut, 
    Freie Universität Berlin

Der Koran als Offenbarungsschrift ist, außer kleinen offiziellen und vielleicht noch unterdrückten Varianten, die einzige unter Muslimen unumstrittene Hinterlassenschaft des Propheten Muhammad. Das Dogma von seiner Präexistenz als Gotteswort vor der Schöpfung entstand bei Theologen und setzt den Anspruch von höchster Heiligkeit. Aber um seine materielle Wiedergabe als Handschrift, Kodex, verehrungswürdiges Objekt gibt es Kompetenzgerangel unter Theologen, Gemeindeführern und Machthabern. Je nach Zeitalter, Regionen unterschiedlicher eigener Kulturtraditionen sowie religiöser Gemeinschaften und politischer Gefüge wird die Ausgestaltung des Heiligen Buches absichtsvoll variiert.

Die betonte Schlichtheit der frühesten Handschriftenfragmente steht für eine Tradition, die mit abnehmendem Zuspruch als „alt-arabisch“ gilt. Schon die erste Kalifats-Dynastie der Umayyaden nahm im ersten Jahrhundert nach der Offenbarung offenbar Kodex-Gestaltung spätantiker Buchkunst auf, um materiell kostbare und mit Symbolik ornamentierte Koranhandschriften herstellen zu lassen. Für die Ornamentik wurden aber nicht nur arabische und spätantike Motive herangezogen, sondern auch iranische und zentralasiatische – eine äußerst fruchtbare, wohl konversionsfördernde Kulturmischung, die in den folgenden Jahrhunderten der Ausbreitung des Islams weiterwirkt. Dabei wissen wir erst aus späteren Zeiten aus zentralen politischen Herrschaftsformen wie Kalifat und Sultanate von absichtsvollen Differenzierungen höfischer Buchkunst mit manchmal überwältigenden, gewagten Farb- und Form-Experimenten.

Unmäßige Pracht in Vergoldung und raumgreifenden Motiven rufen natürlich Kritik von Theologen hervor. Insbesondere beim Machtzerfall wird deutlich, daß daneben in privaten Ateliers und zunehmend in theologischen Hochschulen unterschiedliche Stile weitergepflegt werden. Die arabische Schrift wurde in Kanzleien und Ateliers allmählich ästhetisch geformt – das dauerte Jahrhunderte und wirkt bis heute nach. Ebenso wird in der Gegenwart in einigen islamischen Ländern kontrovers über regionale ästhetische Tradition oder Modernisierung sowie einheitliche islamisch- internationale Modernisierung debattiert.


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Zeit & Ort

03.11.2026 | 18:15 - 19:45

Freie Universität Berlin,
Raum 2.2058 (Holzlaube)
Gebäudekomplex Fabeckstr. 23 – 25,
14195 Berlin