Vortrag | Also schrieb Zarathustra: Die Materialisierung der heiligen Sprache zwischen Rezitation und Handschrift
Avestisches Manuskript MS 4060/RSPA 230, ein safawidischer Vīdēvdād Sāde aus dem Jahr 1016 AY (15. Esfand; 1647), aufbewahrt in der British Library
Bildquelle: © Avestan Digital Archive 2023. Nachweis: Farridnejad. The Avestan Manuscript 4060 (RSPA230), Videvdad Iranian Sade of the British Library. Avestan Digital Archive Series 75.
Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung Geschriebene Heiligkeit. Materialität, Ritus und Ästhetik des Göttlichen
Eine Ringvorlesung des Instituts für Judaistik der Freien Universität Berlin
Also schrieb Zarathustra: Die Materialisierung der heiligen Sprache zwischen Rezitation und Handschrift
- Prof. Dr. Shervin Farridnejad
Asien-Afrika-Institut, Geschichte und Kultur des Vorderen Orients,
Universität Hamburg
Der Zoroastrismus gehört zu den ältesten religiösen Traditionen der Welt, deren heilige Texte über Jahrtausende hinweg vor allem durch mündliche Überlieferung bewahrt, tradiert und kanonisiert wurden. Obwohl die altiranischen Gesellschaften bereits früh verschiedene Schriftsysteme kannten und nutzten, wurde die Rezitation der heiligen Texte als zentrale Form ihrer Bewahrung und rituellen Wirksamkeit bewusst privilegiert. Die Materialisierung der heiligen Sprache erfolgte daher nicht unmittelbar durch Schrift, sondern zunächst durch Stimme, Gedächtnis und rituelle Performanz.
Mit der Entwicklung der avestischen Schrift und der Verschriftlichung avestischer Texte seit der sasanidischen Zeit erhielt das heilige Wort eine neue materielle Dimension. Die Entstehung und Produktion avestischer Handschriften veränderte jedoch nicht einfach die mündliche Tradition, sondern ergänzte und unterstützte sie innerhalb eines komplexen religiösen und rituellen Systems. Bemerkenswert ist dabei, dass die heute erhaltenen avestischen Handschriften nicht vor das Ende des 13. Jahrhunderts zurückreichen und der überwiegende Teil erst im 17. und 18. Jahrhundert entstanden ist.
Zur Aufzeichnung
Zeit & Ort
27.10.2026 | 18:15 - 19:45
Freie Universität Berlin,
Raum 2.2058 (Holzlaube)
Gebäudekomplex Fabeckstr. 23 – 25,
14195 Berlin

