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Vortrag | „KI“ auf der Bühne. Betrachtung kritischer künstlerischer Theaterpraxis

28.10.2026 | 18:15 - 19:45

Eine Ringvorlesung des Instituts für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin


„KI“ auf der Bühne. Betrachtung kritischer künstlerischer Theaterpraxis

  • Sarah Reimann
    HAU Berlin
    Jonny-Bix Bongers
    Folkwang Universität der Künste, Essen

Was können die Darstellenden Künste gegenwärtigen KI-Entwicklungen entgegensetzen? Der Vortrag widmet sich künstlerischen Praktiken aus dem Programm des HAU Hebbel am Ufer, das sich in den letzten Jahren mit seinem Programm in den Theaterräumen und der digitalen Bühne HAU4 rund um die Auseinandersetzung mit Technologie und den gesellschaftlichen Implikationen ein Profil erarbeitet hat. Die Arbeiten entwickeln Gegenerzählungen, die gängige Vorstellungen von totalitärer Künstlicher Intelligenz, Automatisierungsversprechen und männlich geprägtem Fortschrittsdenken unterlaufen.

Im Theater wird das Publikum zum Zeugen gesellschaftlicher Prozesse und zugleich in deren Aushandlung einbezogen. „KI“ begegnet uns dabei als technisches Mittel ebenso wie als gesellschaftlich wirksame Trope: Mit ihr verbinden sich Vorstellungen, Erwartungen und Machtansprüche, die auf der Bühne Gestalt annehmen und hinterfragt werden können. Die Verbindung von Theater und Technologie hat seine eigene Geschichte. Schon die antiken Automatentheater, die Heron von Alexandria beschrieb, machten technische Möglichkeiten sinnlich erfahrbar und einem Publikum zugänglich. Daran knüpft unsere Frage nach der Aufführung als einem Ort des „Technology Assessment“ an: Wie können Aufführungen die gesellschaftlichen Bedingungen von Technologie sichtbar machen und dazu beitragen, ihre Bedeutung öffentlich zu diskutieren und zu bewerten?

Aus kuratorischer und theaterwissenschaftlicher Perspektive untersuchen wir Arbeiten von allapopp, Theresa Reiwer und Anan Fries an der Schnittstelle von Performance und Medienkunst. In ihnen werden die Erzählmuster, Machtverhältnisse und Produktionsbedingungen von aktueller KI Produktion verhandelt. Uns interessiert, welche anderen Vorstellungen von Körpern, Wissen und Zusammenleben sie erproben und wie queere und intersektionale Perspektiven den Diskurs erweitern können. Dabei fragen wir auch, wie die Arbeiten mit der eigenen Abhängigkeit von den kritisierten Infrastrukturen umgehen und wer überhaupt Zugang zu diesen erhält.

Sarah Reimann ist Programmleiterin und Kuratorin des HAU 4, der digitalen Bühne am Hebbel am Ufer in Berlin, an deren Entwicklung sie maßgeblich beteiligt war und von Beginn an das dortige Programm mitgestaltet. Zuvor war sie als freie Dramaturgin u.a. am LOFFT – Das Theater und am Forum Freies Theater Düsseldorf tätig. Ausgehend von ihrer Tätigkeit als Dramaturgin der digitalen Bühne am HAU publiziert Sarah Reimann auch zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen, hält Vorträge und kuratiert und bespielt Panel zu Theater und KI auf einschlägigen Veranstaltungen wie der re:publica. Sarah Reimann studierte Dramaturgie in Leipzig und Theaterwissenschaften an der FU Berlin.

Jonny-Bix Bongers arbeitet als Kurator, Künstler und als Wissenschaftler in einem Verbundforschungsprojekt der Universität der Künste Berlin und der Folkwang Universität der Künste mit dem Titel "Multisensory in Dialogue and Artistic Practice (MIDAP)". Seine Arbeiten sind angesiedelt an der Schnittstelle von Performance, KI und digitaler Kultur. Er hatte Lehraufträge an der HWR Berlin und an der UdK Berlin.


Zeit & Ort

28.10.2026 | 18:15 - 19:45

Freie Universität Berlin,
Hörsaal im Institut für Theaterwissenschaft
Grunewaldstraße 35
12165 Berlin