Lehrprojekt „Nachhaltig WIRksam“. Demokratie stärken durch Wissenschaftskommunikation
Das Team
Dr. Jana Gerlach und Dr. Sabina García Peter arbeiten am Margherita-von-Brentano-Zentrum für Geschlechterforschung (MvBZ) an der Freien Universität Berlin.
Jana Gerlach betreut dort die Toolbox Gender und Diversity in der Lehre und gibt regelmäßig Weiterbildungen für diversitätssensible und machtkritische Lehre. Angesichts der aktuellen Bedrohung demokratischer Werte sieht sie es als zentrale Aufgabe, die Themenfelder Diversität, Nachhaltigkeit und Demokratiebildung zukünftig stärker miteinander zu verknüpfen.
Sabina García Peter ist zuständig für die Bereiche Förderung von Forscher*innen in frühen Karrierephasen, Digitalisierung und Wissenschaftskommunikation. Sie setzt sich dafür ein, die Wissenschaftsfreiheit zu schützen und die Relevanz der Geschlechterforschung zu betonen – besonders in Zeiten, in denen dieser Bereich politisch angegriffen wird.
Die Projektidee
Unterschiede anerkennen und aushalten und uns zugleich als Teil einer größeren Gemeinschaft begreifen – das ist die Basis, um gemeinsam Zukunft gestalten und existentiellen Herausforderungen wie der Klimakrise begegnen zu können. Mit der Zunahme populistischer Ideologien und menschenfeindlicher Narrative werden diese demokratischen Grundwerte jedoch verstärkt angegriffen. Auch die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft - als Quelle faktenbasierter Argumente und Lösungen – gerät zunehmend zur Disposition. Wie können Universitäten, wie kann die Hochschullehre auf diese Entwicklung reagieren? Welches Wissen brauchen Studierende um die aktuelle Demokratiekrise zu verstehen und darauf reagieren zu können? Welcher Kompetenzen bedarf es, um eigene Erkenntnisse und Lernprozesse über den akademischen Kontext hinaus vermitteln und als Agent*innen des Wandels den öffentlichen gesellschaftlichen Diskurs mitprägen können?
Obwohl Wissenstransfer und kommunikative Kompetenzen als zentrale future skills bezeichnet werden, fehlen in regulären Lehrveranstaltungen oft Ressourcen und praxiserprobte Expertise, um wissenschaftsbasierte Kommunikationsstrategien gemeinsam erproben zu können. Das Lehrprojekt „Nachhaltig WIRksam“ möchte hier ansetzen. In einem Seminar des ABV Bereichs „Gender & Diversity-Kompetenz“ wollen wir im Sommersemester 2025 mit Studierenden unterschiedlicher Fachbereiche den Zusammenhang von Demokratiekrise und gruppenfeindlichen Narrativen analysieren und kommunikative Gegenstrategien entwickeln. Zusammen mit Expert*innen aus der Praxis werden in Lernwerkstätten schließlich eigene kleine Projekte der Wissenschaftskommunikation (Comic, Infografie, Podcast, Video) erstellt. Die Ergebnisse werden in die Toolbox Gender und Diversity in der Lehre integriert. Sie stehen somit langfristig und frei verfügbar als Material für Lehrende und weitere Interessierte zur Verfügung.
Fazit und Ausblick
Wir waren gespannt auf die Ideen der Studierenden und freuten uns auf den Austausch mit anderen Akteur*innen aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Demokratiebildung und Wissenschaftskommunikation an der Freien Universität Berlin.
Das ABV-Seminar mit dem angepassten Titel: Rechtspopulismus begegnen - Demokratie stärken durch Wissenschaftskommunikation für Bachelorstudierende aus allen Fachbereichen wurde im Sommersemester 2025 erfolgreich und mit viel studentischem Engagement durchgeführt. 25 Studierenden schlossen das Seminar erfolgreich ab.
Ziel der Lehrveranstaltung war es, dass Studierende sich inhaltlich-analytisch mit der Ausbreitung von Rechtspopulismus sowie Rechtsextremismus auseinandersetzen und sich fächerübergreifend dazu austauschen. Mit dem Fokus auf Wissenschaftskommunikation wurden in den angebotenen Lernwerktstätten alltagstaugliche Kompetenzen im Umgang mit Rechtspopulismus entwickelt, um die Handlungsfähigkeit der Studeirenden zu stärken. Diese wurden durch ein Sensibilisierungstraining fokussiert auf Wissenschaftskommunikation flankiert.
Bei der Abschlussveranstaltung zum ABV-Seminar stellten die Studierenden ihre Projekte vor und sorgten für rege Diskussion untereinander.
Das Kurskonzept mit Lehr- und Anschauungsmaterialien sowie die Ergebnisse der Lernwerkstätte wurden als Good Practice in der ‚Toolbox Gender und Diversity in der Lehre‘ veröffentlicht und dienen nun zukünftigen Lehrenden und anderen als Inspiration für einen klaren und reflektierten Umgang mit demokratiefeindlichen Positionen.
Das Projekt wurde als Pilot angelegt und diente im folgenden für einen Antrag im Drittmittelkontext. Auf der Basis des Lehrprojekts wurde die Projektverantwortliche Jana Gerlach auf einen geförderten 3-tägigen Scoping Workshop mit Personen aus der erziehungswissenschaftlichen Forschung und Praxis eingeladen.
Durch die unterschiedlichen disziplinären Perspektiven hatten Studierende unterschiedliches Vorwissen zum Thema, so dass auch der Austausch im Seminar viel Zeit beanspruchte, dafür aber umso ertragreicher war. Überraschend wiederum war der hohe kreative Einsatz der Studierenden und die sehr gelungenen Ergebnisse aus den Lernwerkstätten. Die Breite der eingebrachten Themen und der hohe Einsatz (z.B. eine 30-minütige Videodokumentation zum Thema „Toxische Männlichkeit“) der Studierenden war bemerkenswert. Es lohnt sich also sehr, Studierende als zentrale Akteur*innen gesellschaftlichen Wandels ernst zu nehmen und einzubinden - und das dies für den Lernprozess und gemeinschaftlichen Austausch wichtiger ist, als besonders viel Lehrinhalt transportieren zu wollen.
Besonders hilfreich waren die Workshops zur Präsentation. Hilfreich war auch der Austausch mit den anderen Projektverantwortlichen.
Es bleibt ein wichtiges Thema, dass hoffentlich mit anderen Engagierten im nächsten Jahr skaliert werden kann.
Kontakt:
Jana Gerlach jana.gerlach@fu-berlin.de
Sabina García Peter sabina.garcia.peter@fu-berlin.de






