Arbeiten in Brasilien
In Brasilien sind Praktika („estágio“) gesetzlich geregelt und deutlich formalisierter als in vielen anderen Ländern. Grundlage ist das Praktikumsgesetz (Lei do Estágio, Gesetz Nr. 11.788/2008). Ein Praktikum gilt offiziell als Ausbildungsmaßnahme, nicht als normales Arbeitsverhältnis. Es soll die schulische oder universitäre Ausbildung ergänzen und muss einen klaren Lernbezug haben. Offizielle Praktika sind in Brasilien also normalerweise eng mit einer Universität verbunden, da über diese die Ausschreibung bzw. Vermittlung erfolgt. Ohne in einer brasilianischen Universität eingeschrieben zu sein, ist es dementsprechend schwer, eine solche Praktikumsstelle zu bekommen. Am zugänglichsten sind dementsprechend deutsche Organisationen und Unternehmen, da die Kontaktaufnahme leichter ist und regelmäßig Praktikumsplätze angeboten werden. Auch Initiativbewerbungen bei brasilianischen Organisationen können jedoch Erfolg haben. Außerdem gibt es viele NGO’s, bei den Freiwilligenarbeit geleistet werden kann, die auch als Praktikum angerechnet werden kann. Allerdings empfiehlt es sich nicht, den ersten Kontakt per E-Mail zu suchen, da auf diesem Weg Antworten häufig ausbleiben. Jedoch kann ein Anruf Erfolg haben oder ganz besonders persönliche Kontakte vor Ort oder auch in Deutschland. Außerdem sollten Sie sich vor dem Antritt des Praktikums darüber Gedanken machen, was Sie in der jeweiligen Institution machen und lernen möchten, da selbständiges Arbeiten und Organisieren häufig eine Hauptvoraussetzung ist und Aufgaben nicht unbedingt immer zugeteilt werden.
Für das Praktikum braucht es einen Vertrag (Termo de Compromisso de Estágio) zwischen dem/der Praktikant:in und der Bildungseinrichtung bzw. dem Unternehmen. Eine betreuende Person im Unternehmen ist vorgeschrieben. Handelt es sich um ein Pflichtpraktikum, ist eine Vergütung nicht vorgeschrieben. Bei einem freiwilligen Praktikum sind eine Vergütung (Bolsa-auxílio) und ein Fahrtkostenzuschuss (auxílio-transporte) jedoch gesetzlich vorgeschrieben.
Deutsche Staatsangehörige benötigen für einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen innerhalb eines sechsmonatigen Zeitraums kein Visum. Für ein Praktikum, das die Dauer von drei Monaten nicht übersteigt und welches nicht vergütet wird, benötigen Sie also kein Visum.
Sollte der Zeitraum länger sein, muss ein Visum für Praktikant*innen bei der brasilianischen Botschaft in Berlin oder Frankfurt am Main beantragt werden. Für den Visumsantrag müssen Sie ein Einladungsschreiben der brasilianischen Organisation, sowie den Praktikumsvertrag und einige weitere Dokumente bereits vorlegen können. Planen Sie also ausreichend Zeit ein, um die Unterlagen zu sammeln und somit frühzeitig Ihr Visum beantragen zu können, denn diese werden häufig sehr streng kontrolliert.
Sollten Sie Ihr Praktikum mit einem Auslandssemester verbinden, lohnt es sich, für den gesamten Aufenthalt an der brasilianischen Universität immatrikuliert zu sein, da die Universität nicht nur einen hilfreichen Kontakt bei Problemen bieten kann, sondern auch das Visum für die gesamte Dauer sichergestellt ist bzw. eine Verlängerung einfacher zu bewerkstelligen ist. Generell ist empfehlenswert, dies vor einem Aufenthalt in Brasilien zu planen, da es nicht nur sehr zeitaufwenig, sondern auch kostenspielig ist, eine Visumsverlängerung für ein Praktikum bzw. das Studium vor Ort zu beantragen.
Weitere Informationen bezüglich der Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen finden Sie auf der Webseite der brasilianischen Botschaft. Auf der Webseite des Auswärtigen Amts finden Sie außerdem nützliche Reise- und Sicherheitshinweise.
Wird Ihr Praktikum in Brasilien nicht vergütet, sollten Sie eine Finanzierung durch ein Stipendium in Betracht ziehen. Der DAAD bietet für Studierende ein Kurzstipendium für Praktika im Ausland an. Gefördert werden jedoch nur selbst organisierte Praktika bei einer Reihe von Organisationen, wie deutschen Auslandsvertretungen, Goethe-Instituten und deutschen Schulen. Die Förderung erstreckt sich über einen Zeitraum von mindestens 40 Kalendertagen bis zu 3 Monaten und umfasst sowohl einen Fahrtkostenzuschuss, als auch ein Teilstipendium, wobei die Höhe je nach Zielland unterschiedlich ausfällt.
Sollten Sie ein Praktikum bei einer anderen Organisation, wie beispielsweise einer NGO, bevorzugen, können Sie sich für das Mobilitätsprogramm PROMOS bewerben. Hierbei können individuell organisierte Kurzaufenthalte bis zu 6 Monaten gefördert werden. Das Auswahlverfahren wird nicht vom DAAD selbst durchgeführt, sondern von der Freien Universität Berlin. Außerdem kann Ihnen eine PROMOS-Infoveranstaltung des Studierenden-Service-Centers hierbei zur Orientierung dienen.
Brasilien ist im südamerikanischen Vergleich das teuerste Land. Somit sind die Lebenshaltungskosten in Brasilien trotz des relativ schwachen Reals in den großen Metropolen, wie São Paulo oder Rio de Janeiro, die ein beliebtes Ziel für Praktikant*innen darstellen, mindestens genauso hoch wie in Berlin. Je nach Stadt liegen die monatlichen Ausgaben (Unterkunft, Essen, Verkehr) oft zwischen ca. 600 € und 1.000 € oder mehr, wenn man alleine lebt und nicht sehr sparsam ist. Die Wohnungspreise sind je nach Lage sehr unterschiedlich, jedoch kommen besonders in Bezug auf die Lebensmitteleinkäufe und Transportkosten höhere Kosten auf. Beispielsweise gibt es keine Monats- oder Semestertickets für die öffentlichen Verkehrsmittel, sondern nur Einzelfahrkarten. Abgesehen davon gibt es private Anbieter wie Uber, die zwar relativ kostengünstig sind und – gerade bei Nacht – genutzt werden sollten, wodurch sich die Lebenshaltungskosten insgesamt jedoch erhöhen. Auf der anderen Seite sind beispielsweise Restaurants und Freizeitangebote, wie Surfkurse, im Vergleich mit europäischen Städten relativ günstig.
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Grundsätzlich unterscheiden sich Mietmarkt und Abläufe in Brasilien etwas von Deutschland. Viele reguläre Mietverträge laufen über 12 bis 30 Monate und werden über Immobilienagenturen („imobiliárias“) oder große Online-Plattformen vermittelt. Häufig werden ein brasilianischer CPF (Steuernummer) und ein Bürge verlangt. Wenn kein Bürge vorhanden ist, müssen oft zwei bis drei Monatsmieten als Kaution hinterlegt werden. Zudem kommen zur Kaltmiete in der Regel sogenannte „Condomínio“-Gebühren (für Hausverwaltung, Sicherheit, ggf. Aufzug, Pool etc.) sowie Strom, Wasser, Gas und Internet hinzu. Viele Wohnungen werden unmöbliert vermietet.
Die Mietpreise variieren stark je nach Stadt und Lage. In Metropolen wie São Paulo oder Rio de Janeiro kostet eine kleine, zentral gelegene Einzimmerwohnung häufig zwischen etwa 2.500 und 3.500 Reais (400-570€) pro Monat, in beliebten Vierteln auch mehr. In Randlagen oder kleineren Städten wie Curitiba, Belo Horizonte oder Salvador ist Wohnen deutlich günstiger. Insgesamt sind die Mieten oft niedriger als in deutschen Großstädten, stehen jedoch in keinem Verhältnis zu den meist eher niedrigen Praktikumsvergütungen in Brasilien.
Für Studierende ist daher ein WG-Zimmer („república“ oder „quarto em apartamento compartilhado“) meist die sinnvollste Option. Die Preise liegen – je nach Stadt, Lage und Ausstattung – häufig zwischen etwa 1.000 und 2.500 Reais (160-400€) monatlich. In zentralen oder besonders gefragten Vierteln kann es auch teurer werden. Oft sind Internet und Nebenkosten bereits enthalten, was die Kalkulation erleichtert. WGs sind vor allem in Universitätsstädten verbreitet und ermöglichen zudem schnellen sozialen Anschluss.
Für kürzere Aufenthalte von ein bis drei Monaten bieten sich möblierte Kurzzeitwohnungen oder Zimmer über Plattformen wie Airbnb an. Diese sind unkompliziert zu buchen und erfordern in der Regel keinen CPF oder langfristigen Vertrag. Allerdings sind sie auf Monatsbasis meist teurer als reguläre Mieten oder WG-Zimmer. Sie eignen sich besonders gut als Übergangslösung zu Beginn des Aufenthalts, bis man vor Ort eine günstigere Unterkunft gefunden hat.
Insgesamt empfiehlt es sich, frühzeitig mit der Suche zu beginnen, verschiedene Stadtteile hinsichtlich Sicherheit und Anbindung zu vergleichen und die zusätzlichen Nebenkosten realistisch einzuplanen.
