Statement des Präsidiums der Freien Universität Berlin zu wissenschaftlichen Kooperationen mit israelischen Partnerinstitutionen
22.04.2026
Die Freie Universität Berlin ist vor fast 80 Jahren aus dem Anspruch entstanden, Wissenschaft und freie Debatte auch unter politischem Druck zu verteidigen. Dieser Anspruch verpflichtet – gerade jetzt.
Angesichts neuer Forderungen, Kooperationen mit israelischen Universitäten und Wissenschaftler*innen zu beenden, stellt das Präsidium der Freien Universität Berlin unmissverständlich klar:
Ein Boykott widerspricht den Grundprinzipien unserer Universität. Internationale Wissenschaft lebt vom offenen Austausch. Unsere Zusammenarbeit ist über Jahrzehnte gewachsen – in der Medizin, den Geistes- und Sozialwissenschaften und den Naturwissenschaften. Diese Kooperationen sind ein aktives Bekenntnis zu internationaler Wissenschaft als zivilisatorischer Praxis – und zu der Überzeugung, dass Forschung und Lehre ihre gesellschaftliche Wirkung durch Einbeziehung entfalten. Wer den Abbruch von Beziehungen zu Forschenden und Einrichtungen fordert, verkennt die Rolle von Wissenschaft in Konfliktzeiten. Gerade dann braucht es belastbare Beziehungen, die differenzierte Perspektiven ermöglichen, gemeinsame Erkenntnisproduktion fördern und Gesprächskanäle offenhalten, wo in polarisierten Debatten ein gemeinsamer Austausch oft nicht mehr stattfindet.
„Die Freie Universität Berlin gestaltet ihre Partnerschaften auf Grundlage gemeinsamer Werte: akademischer Freiheit, kritischer Offenheit und institutioneller Unabhängigkeit. Israelische Hochschulen erfüllen diese Voraussetzungen – sie sind plurale, demokratische Institutionen, die auch intern kontroverse Debatten führen. Sie zu boykottieren hieße, genau jene Stimmen zu isolieren, mit denen der Dialog am notwendigsten ist."
Prof. Dr. Günter M. Ziegler, Präsident
Das Präsidium bekräftigt daher seine Position vom Januar 2026: Die Freie Universität Berlin lehnt Boykottaufrufe gegen israelische Wissenschaftler*innen und Wissenschaftseinrichtungen entschieden ab – im Einklang mit der HRK-Resolution „Zur aktuellen Antisemitismusdebatte im Bundestag“ vom 19. November 2024. Diese Haltung ist Ausdruck unseres Selbstverständnisses als offene, international vernetzte Universität – und der Überzeugung, dass Wissenschaftsfreiheit ihren Wert gerade dann beweist, wenn sie auch in schwierigen Zeiten gilt.
