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Verborgener Tempel unter der Stadt – Forschung zum kulturellen Erbe von Asyut

Grabung in Asyut

Grabung in Asyut
Bildquelle: Photography Fritz Barthel; Copyright: Jochem Kahl, The Asyut Project.

Seit 2015 erforscht das Projekt unter Leitung von Prof. Kahl die Tempelbauten in der Altstadt von Asyut – ein außergewöhnliches archäologisches Umfeld, denn der antike Tempel des Stadtgottes Upuaut liegt heute acht bis zwölf Meter unter dem modernen Stadtgebiet und ist archäologisch nicht direkt zugänglich. Dennoch ermöglichen konfiszierte Fundstücke aus Raubgrabungen sowie Dokumentationen lokaler Inspektoren neue wissenschaftliche Zugänge. Beschlagnahmte Gesteinsblöcke und präzise Ortsangaben illegaler Grabungen liefern wertvolle Hinweise zu Datierung, Funktion, Lage und Ausdehnung der mindestens von 2100 v. Chr. bis in das 1. Jhdt. n. Chr. genutzten Tempelanlage.

Das Projekt verfolgt bewusst einen holistischen Ansatz: Statt einzelne Funde und Befunde isoliert zu betrachten, wird das kulturelle und landschaftliche Umfeld Asyuts in seiner Gesamtheit untersucht. Dadurch entstehen kontinuierlich neue Forschungsfragen und Kooperationen – etwa zur Erforschung des Umlandes oder zur systematischen Dokumentation bislang wenig beachteter Fundkontexte.

Im Rahmen der Flexible Funds wurden beispielsweise einige Teilprojekte finanziell unterstützt:

- Fotodokumentation der Bestattung der Dame Idy in Zusammenarbeit mit der Universität Sohag, der Kanazawa University und der Polnischen Akademie der Wissenschaften

- Forschungsaufenthalt in Asyut von Dr. Beck-Hasselbach (FU Berlin) und Dr. Ruffinato (Universität Turin) zur Bestimmung und Dokumentation bestimmter Hölzer in ausgewählten Bestattungen

- Gastaufenthalt von Prof. Abdelrahiem von der Universität Sohag an der FU Berlin zur Entwicklung internationaler Projekte

Das Projekt erfolgt in enger Zusammenarbeit mit ägyptischen Partnerinstitutionen und ist im Kern international – in diesem Fall sind Wissenschaftler*innen aus Japan und Polen an dem Projekt beteiligt.

Gemeinsam wird geforscht, dokumentiert und publiziert. Gleichzeitig trägt das Projekt zur Ausbildung junger Wissenschaftler*innen bei – sowohl in Deutschland als auch in Ägypten. Diese Zusammenarbeit fördert auch die Verantwortung im Umgang mit dem kulturellem Erbe Ägyptens und ist ein Beitrag zu einem partnerschaftlichen Wissensaustausch.

Die internationale Dimension wirkt zudem unmittelbar in die Lehre zurück: Aktuelle Forschungsprojekte bereichern Lehrinhalte und ziehen Studierende an, die an global vernetzter Forschung teilnehmen möchten. Über die Jahre hat sich durch das Asyut-Projekt ein vertrauensvolles Netzwerk entwickelt, das der Freien Universität Berlin im Land einen hervorragenden wissenschaftlichen Ruf verschafft hat und auch weiteren internationalen Projekten zugutekommt.

So zeigt das Projekt exemplarisch, wie langfristige internationale Kooperation Forschung, Lehre und kulturellen Austausch miteinander verbindet – und wie aus der Erforschung eines einzelnen Ortes nachhaltige wissenschaftliche Partnerschaften entstehen.

https://www.geschkult.fu-berlin.de/internationales/Projekte/Asyut/index.html