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Prof. Dr. Eberhard Riedel

05.03.2026

Prof. Dr. Eberhard Riedel habilitierte sich 1972 am Zentralinstitut für Biochemie und Biophysik der Freien Universität Berlin und wurde dann als Professor der Biochemie am Fachbereich Chemie der Freien Universität Berlin berufen, wo er sein Fachgebiet bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1998 vertrat. Er hat sich in besonderem Maße um die Entwicklung des 1972 neu etablierten Biochemie-Studiengangs an der Freien Universität verdient gemacht. Prof. Dr. Eberhard Riedel ist am 5. Januar 2026 im Alter von 93 Jahren verstorben.

Lesen Sie im Folgenden einen Nachruf:


Nachruf auf Professor Dr. rer. nat. Eberhard Riedel

* 20. August 1932 † 5. Januar 2026 

Die Freie Universität Berlin trauert um Eberhard Riedel, der am 5. Januar 2026 im Alter von 93 Jahren verstorben ist.

Mit ihm hat die Freie Universität einen angesehenen Wissenschaftler verloren, der sich nach seiner Berufung im Jahr 1972 insbesondere in der Anfangsphase des Biochemie-Studiengangs große Verdienste um dessen organisatorische und inhaltliche Ausgestaltung erworben hat.

Geboren in Berlin, absolvierte er im Anschluss an sein Abitur 1953 ein Studium der Chemie an der Freien Universität Berlin, welches er 1960 als Diplomchemiker abschloss. 1961 nahm er eine Assistenzstelle am Fachbereich Chemie der Freien Universität Berlin in der Arbeitsgruppe von Prof. Randolph Riemschneider an, wo er 1968 auch mit der Dissertation zum Thema „Beitrag zur Eignungsprüfung von organischen Hochpolymeren‘‘ zum Dr. rer. nat. promoviert wurde.

Bis 1972 folgte eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter des Biochemischen Labors der Gesellschaft für Epilepsieforschung e. V. in Bielefeld-Bethel. Im Jahr 1972 habilitierte sich Eberhard Riedel am Zentralinstitut für Biochemie und Biophysik (ZI 5) an der Freien Universität Berlin und wurde in der Folge auf eine C3-Professur der Biochemie am Fachbereich Chemie der Freien Universität Berlin berufen, wo er sein Fachgebiet bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1998 vertrat.

Die Hauptthemen seiner Forschungstätigkeit waren stets mit humanmedizinischen Fragen verbunden. So beschäftigte er sich beispielsweise mit dem spezifischen und effizienten Transport von Arzneimitteln zu ihren Zielzellen zum Zwecke einer wirkungsvollen Therapie und der Minimierung von Nebenwirkungen, etwa bei Leishmanien- oder HIV-Infektionen. Ein weiteres Forschungsgebiet war die Bekämpfung schwerwiegender Störungen der Stoffwechselregulation im postoperativen Bereich von Leber- und Nierentransplantationen oder bei Niereninsuffizienz. Mit der Entwicklung zeitgemäßer Methoden der manuellen und vollautomatischen Fluoreszenz-Photometrie, die insbesondere in der Pharmazie sowie der klinischen und biochemischen Forschung das Arbeiten mit Radioisotopen verdrängt haben, hat er sich auch in der Methodenentwicklung einen Namen gemacht.

Es war ihm ein Anliegen, mit seinen Arbeiten Themen zu setzen, die den Studierenden den Zusammenhang zwischen Stoffwechsel-Biochemie und medizinischen Anwendungen nahebringen.

Prof. Riedel hat sich in besonderem Maße um die Entwicklung des 1972 neu etablierten Biochemie-Studiengangs verdient gemacht. Ohne seine unermüdlichen Bemühungen in diversen Gremien der Freien Universität Berlin – unter anderem war er von 1976 bis 1986 Vorsitzender des Prüfungsausschusses Biochemie und ab 1992 stellvertretender Vorsitzender der Kommission des Akademischen Senats für Lehre und Studium – wäre dieser nicht so erfolgreich geworden.

Vor dem Hintergrund seines humanistischen Weltbildes ist er den Studierenden jederzeit mit großer Empathie begegnet. Er wusste sie bei der Studienberatung mit viel Umsicht und Geduld zu behandeln, wenn sie sich mit ihren Fragen und Sorgen an ihn wandten, was für viele ein wichtiger Beitrag zu einem erfolgreichen Studienabschluss war.

Auch nach seiner Emeritierung verfolgte er bis ins hohe Alter die Entwicklungen in der Wissenschaft sowie das Geschehen am Fachbereich mit wachem Interesse.

Mit Eberhard Riedel hat die Biochemie der FU Berlin den letzten verbliebenen Professor ihrer ersten Generation und einen wichtigen Nestor verloren, den seine ehemaligen Kolleg*innen, Mitarbeiter*innen und Studierenden in dankbarer Erinnerung behalten.

 

Chris Weise und Jens P. Fürste

(langjährige Mitarbeiter der Biochemie FU Berlin)