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Prof. Dr. Helmut Baumgärtel

03.03.2026

Prof. Dr. Helmut Baumgärtel hatte von 1977 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2004 den Lehrstuhl für physikalische Chemie an der Freien Universität Berlin inne. Er war ein international renommierter Wissenschaftler und hervorragender akademischer Lehrer und Mentor. Er verstarb am 17. Februar 2026 im Alter von 89 Jahren.

Lesen Sie im Folgenden einen Nachruf des Instituts für Chemie und Biochemie:


Nachruf auf Professor Dr. Helmut Baumgärtel (*15. Juli 1936 - † 17. Februar 2026)

Die Freie Universität Berlin trauert um Helmut Baumgärtel, der am 17. Februar 2026 im Alter von 89 Jahren verstarb. Helmut Baumgärtel hat sich als international renommierter Wissenschaftler über Jahrzehnte für die Freie Universität Berlin, den damaligen Fachbereich Chemie und die Entwicklung und Nutzung von Synchrotronstrahlung zur Untersuchung der Struktur und Dynamik der Materie in Berlin in hervorragendem Maße verdient gemacht.

Geboren wurde Helmut Baumärtel in Selb (Franken), wo er auch seine Schulzeit verbrachte. Zum Studium der Chemie ging er im Jahr 1954 an die Technische Hochschule München, an der er acht Jahre später im Fach Physikalische Chemie promoviert wurde. Im Jahr 1968 wechselte er mit seinem langjährigen Mentor, Herbert Zimmermann, an die Universität Freiburg, an der er sich drei Jahre später im Fach Physikalische Chemie habilitierte. Sein Arbeitsgebiet lag auf dem Gebiet der Elektrochemie in nicht-wässrigen Medien, worin auch präparativ-chemische Arbeiten enthalten waren. Im Jahr 1970 begann er Pionierarbeiten zur Photoionisation von Molekülen an der Synchrotronstrahlungsquelle DESY. Nach seiner Berufung an die Freie Universität Berlin im Jahr 1977 auf den Lehrstuhl für Physikalische Chemie als Nachfolger von Klaus Vetter wurde Helmut Baumärtel ein Jahr später der erste Wissenschaftliche Geschäftsführer der neu errichteten Berliner Synchrotronstrahlungsquelle BESSY. Diese Anlage bot für fast zwei Jahrzehnte der Freien Universität Berlin und zahlreichen anderen deutschen wie internationalen Universitäten und Forschungseinrichtungen hervorragende Experimentiermöglichkeiten und stellte die Grundlage für die zurzeit laufende Anlage BESSY II dar. Sein international sichtbares Forschungsprofil baute Helmut Baumgärtel an der Freien Universität Berlin systematisch weiter aus, indem moderne physikalisch-chemische Experimente zur Bearbeitung lebenswissenschaftlicher, umweltwissenschaftlicher und astrophysikalischer Fragestellungen aufgebaut und genutzt wurden. Zahlreiche dieser Aktivitäten dauerten noch lange nach seiner Emeritierung im Jahr 2004 an und sind in mehr als 300 Publikationen dokumentiert.

Helmut Baumgärtel war ein hervorragender akademischer Lehrer und Mentor. Seine Vorlesungen waren bei den Studierenden aufgrund ihrer Klarheit und hohen Aktualität sehr geschätzt. Mit seinem pädagogischen Talent motivierte er die Studierenden und die Mitarbeitenden zur Selbständigkeit. Diese Gabe drückt sich auch in dem erst vor wenigen Jahren veröffentlichten Lehrbuch „Electrochemistry – A Guide for Newcomers“ aus.

Helmut Baumgärtel hat sich an der Freien Universität stets in die akademische Selbstverwaltung eingebracht. Er war langjähriger Geschäftsführender Direktor des Instituts für Physikalische Chemie und im Zeitraum 1991-1993 als Dekan des damaligen Fachbereichs Chemie tätig. Über die Freie Universität hinaus war er als Gutachter und Ratgeber sehr gefragt. Er war über lange Jahre Gutachter u.a. für die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Alexander-von-Humboldt-Stiftung sowie Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Beiräten und Kuratorien. Für die Entwicklung seines Fachgebietes, der Physikalischen Chemie, setzte er sich in zahlreichen Funktionen der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie ein. Er war deren erster Vorsitzender und im Jahr 2003 wurde er mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet. Helmut Baumgärtel war maßgeblich an der Etablierung der europäischen Fachzeitschrift „Physical Chemistry Chemical Physics“ (PCCP) beteiligt, die aus Journalen zahlreicher europäischer Länder hervorging und heute zu den international führenden Fachzeitschriften der Physikalischen Chemie gehört.

Mit Helmut Baumgärtel verliert die Freie Universität nicht nur einen hervorragenden Wissenschaftler, akademischen Lehrer und Mentor, sondern auch einen dem Neuen stets aufgeschlossenen und neugierigen Menschen mit breiten Interessen, auch jenseits der Wissenschaft. Er war an der Freien Universität Berlin und weit darüber hinaus sehr geschätzt. Wir vermissen Helmut Baumgärtel als freundlichen und zugewandten Menschen und werden ihn stets in dankbarer und ehrender Erinnerung behalten.

Eckart Rühl im Namen des Instituts für Chemie und Biochemie