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„Wir sind FU!“

Design macht die Welt nicht nur durch Farben bunter – Gösta Röver über Marken, Design und Prozessoptimierung

17.09.2026

Gösta Röver

Gösta Röver
Bildquelle: Bernhard Wannenmacher

Frau Röver, wie kamen Sie an die Freie Universität?

Ich habe zunächst als Auftragnehmerin am ehemaligen Center für Digitale Systeme der FU für den Bereich „New Economy“ am Design der digitalen Lernumgebung und der Inhalte mitgearbeitet. Die Mittel für dieses Projekt waren befristet und als es 2003 endete, war immer noch die Nachfrage nach diesem Service da. So wuchs ich dann ab Spätsommer 2003 in eine Reihe von befristeten Stellen hinein. Erst ging es weiter um die Lernumgebungen, dann arbeitete ich auch für andere Entwicklungen im Design, zum Beispiel für die Ausstellung zu 50 Jahre Henry-Ford-Bau.

Bei der Vorbereitung dieser Ausstellung wurde klar, dass das Corporate Design (also der visuelle Auftritt der FU) extrem verwildert war. Es gab niemanden, der sich wirklich dafür zuständig fühlte oder Vorlagen liefern konnte.

Meine Kolleg*innen und ich haben dann beim Präsidium nachgefragt und wurden im Gegenzug darum gebeten, einen Vorschlag für die Lösung des Problems zu liefern.

Damals konnten wir klar machen, dass es nicht nur darum geht, einmal ein einheitliches und ansprechendes Corporate Design (CD) zu entwickeln, sondern darum, eine Stelle einzurichten, die das dann auch kontinuierlich pflegt und entwickelt.

 

Was genau heißt das?

Die Anforderungen an ein CD sind ausgesprochen dynamisch. Zum einen gibt es die technischen Aspekte: Neue oder veränderte Kommunikationskanäle verlangen Anpassungen, zum Beispiel des Logos an den in dem jeweiligen Medium vorhandenen Platz. Trotzdem soll aber weiterhin auf einen Blick erkennbar sein, dass es die FU Berlin ist, die sich hier äußert

Zum anderen verändern sich Prioritäten und Anforderungen verändern oder ergeben sich neu. Ein gutes Beispiel ist hier die legitime Forderung nach Barrierefreiheit. Das konnten wir bei unserem aktuellen CD gleich mitdenken. Davon hat 2005 noch niemand gesprochen.

 

Warum brauchen wir überhaupt ein CD?

Das CD gewährleistet einheitliche Gestaltungselemente in der Kommunikation nach außen, digital, aber auch im Print, auf Gegenständen, zum Beispiel unseren Rucksäcken. Das daraus resultierende Design entspricht im besten Falle dem, wofür eine Institution steht oder stehen möchte. Das Corporate Design entwickelt man mit verschiedenen Elementen, wie Schriftarten, Farben und Formen. Herauszufinden, was gut passt, ist oft ein langer Prozess, in dem auch über das Selbstverständnis, wichtige Anliegen und Charakteristika der Organisation gesprochen wird.

Die aus diesem Prozess hervorgehenden Elemente und ihre Kombination aus beispielsweise Logo, Farben und Schrifttyp, sollen den Absender sofort und eindeutig identifizieren. Ich soll also auf den ersten Blick, buchstäblich in einer Millisekunde und ohne den Text zu lesen, der vielleicht noch folgt erkennen, „Das ist etwas, das die FU Berlin kommuniziert.“

 

Warum ist das wichtig?

Damit setze ich mich ab von anderen Absendern. Es ist ein visueller Eindruck, den man zusätzlich zu einem Inhalt mitgibt. Die Autorschaft oder die Quelle soll damit unmittelbar erkennbar sein. Damit werden auch weitere Informationen transportiert, zum Beispiel die Glaubwürdigkeit einer Information. Das CD ist also ein Mehrwert zu den eigentlichen Informationen, der wichtige Zusatzinformationen enthält.

Natürlich hängt das, was da weitergegeben wird, immer vom Vorwissen des Empfängers oder der Empfängerin ab. Wenn man zum Beispiel die Gründungsgeschichte der FU kennt, etwas über die Studentenbewegung weiß, dann resultiert daraus ein viel lebendigeres Bild, und ich kann die jeweilige Information ganz anders einordnen. Passt sie zu dem Bild, das ich von der Institution habe? Bezieht sie sich auf etwas, das ich bereits weiß oder legt sie einen institutionellen Hintergrund nahe, den ich noch nicht kenne oder wahrgenommen habe?

 

Worin genau bestehen Ihre Aufgaben über die Pflege des CD hinaus?

Ich koordiniere die Stabsstelle Creative Media and Technology. Wir sind 4 Kolleg*innen hier im Designteam, alle aus der Gestaltung. Fachlich arbeiten wir alle auf Augenhöhe.

Die Pflege, Umsetzung und Weiterentwicklung des CD ist sicher der wichtigste Bereich. Design Thinking ist eine zweite wichtige Aufgabe. Wir haben in der Vergangenheit mehrfach die Erfahrung gemacht, dass wir einen Auftrag über ein bestimmtes Produkt erhalten, jedoch ohne spezifische Anforderungen. Deswegen sind wir mit Design Thinking schon dabei, wenn die Wünsche der Nutzer*innen konkretisiert werden. Das ist im Prinzip Teil einer Prozessoptimierung, die verhindert, dass wir am eigentlich erwünschten Ergebnis vorbeiarbeiten.

 

Was macht Ihnen am meisten Freude in Ihrem beruflichen Alltag?

Am meisten Spaß habe ich, wenn ungewöhnliche Anfragen kommen und ich etwas Neues gestalten kann. Die Vielfalt des Arbeitsalltags und die ständigen Veränderungen der Anforderungen sind einfach toll! Auch die Arbeit mit den unterschiedlichen Persönlichkeiten macht mir Freude – ich lerne in meinem Job ständig neue Menschen kennen. Denn jeder an der FU, ob in der Verwaltung, in der Lehre oder in der Wissenschaft, macht etwas, das irgendwann irgendwie aussehen muss. Dazu kann man uns fragen!

Frau Röver, wir bedanken uns für diesen schönen Einblick in Ihre Tätigkeit!


Stabsstelle Creative Media and Technology (CMT) der Zentraleinrichtung FUB-IT

Für das Corporate Design der Freien Universität ist die Stabsstelle Creative Media and Technology (CMT) der Zentraleinrichtung FUB-IT zuständig.
Das Corporate Design (CD) der Freien Universität wurde 2024 grundlegend überarbeitet. Das neue Design zeichnet sich durch eine generative, innovative Gestaltung aus. Es findet Anwendung auf dem gesamten offiziellen Schriftgut der Universität, zum Beispiel auf Briefen, Berichten und Präsentationen, sowie im Internet auf den offiziellen Webseiten und auf Merchandising-Produkten. Die Stabsstelle berät alle Bereiche der Universität, wie das CD richtig eingesetzt wird, unter anderem mit dem Ansatz des „Design Thinking“.

Zur Person

Gösta Röver arbeitet seit 2002 für die Freie Universität Berlin. Seit 2005 ist sie zusammen mit ihrem Team für die Gestaltung, Umsetzung und Pflege des Corporate Design (CD) zuständig. Sie hat Bildende Kunst an der Hochschule der Künste Berlin (heute Universität der Künste Berlin) studiert und absolvierte 1995 ihren Meisterschülerabschluss. Gemeinsam mit ehemaligen Kommiliton*innen gründete sie eine Multimedia Agentur und entwickelte digitale Produkte, zum Beispiel für das Werkbundarchiv (heute Museum der Dinge), die Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin und die Stiftung Topografie des Terrors.

Schlagwörter

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