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„Wir sind FU!“

„Es ist ein gutes Gefühl, Hilfe anbieten zu können und etwas zum Besseren zu bewegen!“

01.09.2026

Ein Gespräch mit Latif Lyd Abadel, stellvertretendem Vorsitzenden der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV)

Latif Lyd Abadel

Latif Lyd Abadel
Bildquelle: Latif Lyd Abadel 

Latif Abadel, wollten Sie schon immer in der Chemie arbeiten?

Ja, schon im Mutterleib! Nein, im Ernst, ich weiß es nicht genau, aber auf jeden Fall schon sehr lange. Das ist eine sehr angewandte Wissenschaft, die fast alles im Alltag beeinflusst: Medikamente, Lebensmittel, Kleidung und vieles mehr.

Sehr wichtig war es mir, eine Ausbildung zu machen. Während der Lehre bekommt man Geld und sammelt schon Erfahrungen mit Steuern, mit Einkommen, mit Rechten und Pflichten.

Ich würde jedem raten, eine Ausbildung zu machen und mache auch gerne Werbung dafür! Mir persönlich gefällt das praktische Arbeiten im Labor so gut, dass ich dabeibleiben will. Vielleicht lege ich später noch die Meisterprüfung ab.

Wie kamen Sie zur Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV)?

Die JAV kam zu mir. Im Ausbildungslabor, in dem uns das Grundwissen und Laborroutinen vermittelt werden, haben sich JAV-Mitglieder vorgestellt und von den Aufgaben der Jugend- und Auszubildendenvertretung erzählt.

Ich fand die Leute sehr sympathisch und auch die Tätigkeit spannend. Als sie fragten, ob jemand Interesse hätte mitzuarbeiten, habe ich mich gemeldet. Wenn es nicht zu mir gepasst hätte, dann hätte ich nach zwei Jahren wieder aufgehört. Aber mir gefällt, dass man in der JAV Auszubildenden in schwierigen oder auch weniger schwierigen Situationen helfen kann.

Generell muss man sagen, dass die Freie Universität gut mit ihren Azubis umgeht und es ein großes Interesse gibt, dass die Ausbildung funktioniert und es den Auszubildenden gut geht.

Natürlich gibt es auch unangenehme Fälle und ja, manchmal trainiere ich in meiner Funktion auch meine Konfliktfähigkeit. Aber man darf nicht in die JAV reingehen und erwarten, dass man immer kämpfen müsste. Die meisten Menschen wollen etwas Gutes (für die Azubis). Mit dieser Grundannahme kann man besser Kompromisse finden als mit Aggression. Oft ist der Grund für einen Konflikt der Mangel an Wissen über rechtliche Grundlagen. Meiner Erfahrung nach handeln die meisten Menschen nach bestem Wissen und Gewissen.

Probleme sind gelegentlich auch eher in Strukturen oder Routinen als in Personen begründet. Das zu ändern braucht Zeit, und an der Freien Universität sind die organisatorischen Hürden hoch und die Entscheidungsketten lang.

In vielen Bereichen werden Azubis nicht immer ausreichend oder schnell genug über ihren Zeitplan oder Einsatzbereich informiert. Obwohl die Chemielaborantenausbildung an der FU wirklich super ist, hatten meine Mit-Azubis und ich auch Probleme, dazu Informationen zu bekommen. Das kann zum Beispiel für die Urlaubsplanung problematisch sein.

Ich habe in der JAV viel über Rechte, über das, was einem zusteht und nicht zusteht, gelernt.

Und wie wurden Sie 2024 Vorsitzender und seit 2026 stellvertretender Vorsitzender?

Die vorherige Jugend- und Auszubildendenvertretung wurde immer kleiner. Einige ließen sich nicht mehr für eine neue Amtszeit aufstellen, einige waren zu alt, um noch einmal gewählt zu werden. In der JAV kann man nur bis zur Vollendung des 28 Lebensjahres Mitglied sein.

So blieben am Ende nur Hedi Amler und ich als Mitglieder mit etwas Erfahrung durch eine erste Amtszeit übrig. Hedi Amler wurde stellvertretender Vorsitzender, und ich wurde zum Vorsitzenden gewählt. Eine unserer ersten Amtshandlungen bestand darin, neue Mitglieder anzuwerben. Wir hoffen sehr, dass einige von den Neuen eine weitere Amtszeit übernehmen.

Ich wollte keine dritte Amtszeit. Auch wenn man freigestellt wird für die Arbeit in der JAV, ist die Arbeit im Labor ja trotzdem da. Ich bin nicht der Typ, der das dann einfach liegen lässt. So kommt man leicht auf anderthalb Jobs. Die Belastung kann man für eine begrenzte Zeit tragen. Es ist auch gut, wenn jemand aktiv ist, der noch in der Ausbildung ist oder frisch ausgelernt hat.

Meine neue Position als stellvertretender Vorsitzender nimmt weniger Zeit ein. Dadurch, dass ich nicht mehr den Vorsitz innehabe, fallen einige bürokratische Aufgaben weg. Aber ich habe auch weitergemacht, weil es immer noch Bereichen gibt, in denen ich sehr involviert bin. Außerdem sind wir mit mir 5 Mitglieder und das ist die maximale Anzahl JAV-Mitglieder/Azubi, die es für die Größe unseres Ausbildungsbetriebes gibt. So verteilt sich auch die anfallende Arbeit besser, gerade auch weil wir jetzt mehr frisch ausgelernte Personen im Vorstand haben. Die Azubis müssen ihre Lern-Verpflichtungen natürlich einhalten, das geht vor. So wie es jetzt ist, können Routineaufgaben eher von den Ausgelernten erledigt werden.

Was waren Ihre Aufgaben als Vorsitz, was hat sich mit der Stellvertreter-Position geändert?

Hauptsächlich zu den Sitzungen einzuladen und Anträge zu unterschreiben. Der oder die Vorsitzende macht nicht so viel mehr oder anderes als die anderen. Wir sind alle gleichgestellt und unterstützen uns gegenseitig. Das klappt gut, auch wenn Einzelne Prüfungen haben oder im Labor dringende Aufgaben zu erledigen sind. Dann entlasten wir uns gegenseitig bei Terminen.

In Zeiten, in denen es etwas ruhiger ist, widmen wir uns unseren Herzensprojekten. Eines ist zum Beispiel die Übertragung der Mensapreise für Studierende auf Azubis. Die studieren zwar nicht, verfügen aber auch nicht über ein eigentliches Einkommen.

Oder wir gehen in die Ausbildungsstätten an der Freien Universität und stellen uns vor. Viele wussten lange gar nicht, dass es uns gibt, und das wollten wir ändern. Mit Erfolg - mittlerweile kennen uns die Leute. Schließlich sind wir die zentrale Vertretung der Azubis, wir treten für ihre Interessen und Rechte ein. Wenn die Auszubildenden uns kennengelernt haben, dann kommen sie auch eher zu uns und teilen sich mit. So können wir einen Überblick über die sehr unterschiedlichen Situationen vor Ort behalten und frühzeitig intervenieren, am besten, bevor sich die Probleme auftürmen.

Es ist ein gutes Gefühl, Hilfe anbieten zu können und etwas zum Besseren zu bewegen!

 

Jugend- und Auszubildendenvertretung

Die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) ist eine eigenständige Arbeitnehmer*innen-Interessenvertretung mit eingeschränkten Rechten. Die JAV arbeitet eng mit dem Personalrat zusammen, ist aber kein Teil von ihm.
An der Freien Universität Berlin wird die JAV alle zwei Jahre gewählt; sie besteht aktuell aus fünf festen Mitgliedern. Mitglied kann jeder werden, der das 28. Lebensjahr noch nicht beendet hat und an der Freien Universität angestellt ist.
Die JAV ist nicht an der Verhandlung von allgemeinen Personalthemen beteiligt. Sobald es um die Arbeitssituation oder die Rechte von Auszubildenden/Jugendlichen im Betrieb geht, hat sie Mitsprache-, Stimm- und Informationsrechte. In anderen Bereichen oder bei Überschneidungsthemen verfügt sie über Vorschlags-, Beratungs- und Anhörungsrechte.

 

Zur Person

Latif Lyd Abadel ist seit 2020 an der Freien Universität beschäftigt. Zwischen 2024 bis März 2025 war er Chemielaborant am Institut für Chemie und Biochemie/SupraFAB in der Arbeitsgruppe Prof. Dr. Rainer Haag. Seit April 2025 arbeitet er im Bereich Anorganik in der Arbeitsgruppe Riedel.
Latif Lyd Abadel hat seine Ausbildung an der Freien Universität absolviert. Zusätzlich legte er die Prüfung zum technischen Assistenten ab. In den dreieinhalb Lehrjahren lernte er den Laboralltag in verschiedenen Betriebsdurchläufen kennen: in der Anorganik, der Organik und der Biochemie. So kam Latif Lyd Abadel auch mit verschiedenen Arbeitsgruppen in Kontakt.
Er war außerdem 2024 bis 2026 Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) an der Freien Universität Berlin, deren Mitglied er seit 2022 ist. Seit 2026 gehört er der JAV als zweiter stellvertretender Vorsitz an.

 

 

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