620 000 Quadratmeter, 290 Gebäude, eine Doppelspitze
Die Technische Abteilung hat seit November 2025 eine neue Leitung: Sonja Böckenholt und Pia Bornkessel im Interview
24.04.2026
Die Architektinnen Pia Bornkessel und Sonja Böckenholt teilen sich die Leitung der Technischen Abteilung
Bildquelle: Christopher Ferner
Seit November 2025 leiten Sonja Böckenholt und Pia Bornkessel die Technische Abteilung der Freien Universität Berlin. Ihr Auftrag: rund 290 Gebäude zu bewirtschaften, zu sanieren und für die Zukunft fit zu machen. Im Interview sprechen sie über Sanierungsstaus und Klimaziele – und darüber, was eine Universität zu einer außergewöhnlichen Arbeitgeberin macht.
Frau Böckenholt und Frau Bornkessel, was sind Ihre Aufgaben als Leiterinnen der Technischen Abteilung der Freien Universität?
Sonja Böckenholt:
Unsere Abteilung bewirtschaftet den gesamten Liegenschaftsbestand der Universität: rund 290 Gebäude mit einer Gesamtnutzfläche von ungefähr 620 000 Quadratmetern. Wir übernehmen die Bauherrschaft für Projekte bis zu 10 Millionen Euro und steuern alle Instandsetzungs-, Sanierungs-, Umbau- und Neubaumaßnahmen.
Pia Bornkessel: Die technische Abteilung ist dafür verantwortlich, die baulichen Voraussetzungen zu schaffen und zu erhalten, um Lehre und Forschung an der Hochschule bedarfsgerecht, nachhaltig und wirtschaftlich zu ermöglichen.
Dazu kommt der technische Betrieb aller Gebäude, Wartung, Reparaturen, die Sicherstellung aller Versorgungssysteme sowie die Zentralwarte, auf der alle Störmeldungen rund um die Uhr auflaufen – 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Das ist etwas, worauf die Freie Universität stolz sein kann, denn so ein System haben nur wenige Hochschulen.
Die Technische Abteilung hat seit November 2025 eine neue Leitung: Sonja Böckenholt und Pia Bornkessel. Welche Spielräume gibt es angesichts der Haushaltskürzungen durch den Berliner Senat? Das neue Leitungsteam will „knappe Mittel klug einsetzen“. Die Herausforderung: den Bestand der 290 FU-Gebäude zu sichern, notwendige Sanierungen und Reparaturen im laufenden Betrieb durchzuführen.
Zu den Personen
Sonja Böckenholt und Pia Bornkessel sind Architektinnen. Nach dem Studium haben beide jeweils zunächst in Architekturbüros gearbeitet. Beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung in Berlin, wo sie sich kennengelernt haben, waren beide nach dem Technischen Referendariat (Hochbau) jeweils für mehrere Jahre als Projektleiterinnen für diverse Große Baumaßnahmen des Bundes verantwortlich. 2018 haben sie gemeinsam die Leitung eines großen Projektmanagementreferates als Tandem übernommen. Nach rund 20 Jahren in der Bundesbauverwaltung wechselten sie im November 2025 an die Freie Universität.
Sie sind noch neu an der Freien Universität – wie lernt man 290 Gebäude kennen?
Bornkessel: Wir sind immer noch dabei. Wir haben bislang viele Begehungen gemacht – Labore, Bibliotheken, Gewächshäuser, Tierkliniken, Hörsäle, Keller, Technikräume, Fachbereichsgebäude, Mensen. Wir haben Kennenlerngespräche mit Verwaltungsleitungen und Nutzer*innen geführt. Und wir hören auf unsere Kolleg*innen, die zum Teil seit Jahrzehnten hier arbeiten und die Gebäude in- und auswendig kennen.
Böckenholt: Ich denke, ganz fertig ist man mit dem Kennenlernen nie– zumal ja immer Neues dazukommt. Aber das ist auch das Schöne. Jede Woche gibt es neue Einblicke, neue Gebäude, neue Situationen. Die Vielfalt ist außergewöhnlich.
Was sind Ihre wichtigsten Projekte in nächster Zeit?
Böckenholt: Wir wollen die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter*innen steigern und die Wahrnehmung der Technischen Abteilung in der gesamten Universität verbessern. Dazu gehört eine kluge, langfristige Investitionsplanung, die Prioritäten transparent macht – trotz aller Sparzwänge.
Bornkessel: Bei den konkreten Bauvorhaben gibt es eine ganze Reihe laufender Projekte – folgende Maßnahmen werden derzeit von unserem Team unter anderem bearbeitet: die Modernisierung der Stromversorgung , die Sanierung der Takustraße 3 – das Gebäude gehört zum Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie –, das Institut für Lebensmittelhygiene des Fachbereichs Veterinärmedizin, die Habelschwerdter Allee 43 in Dahlem, das Haus L in Lankwitz , das Botanische Museum, und eine große Brandschutzmaßnahme in der Arnimallee 14 am Fachbereich Physik.
Die Freie Universität kämpft wie alle Hochschulen mit Budgetkürzungen. Wie planen Sie unter diesen Bedingungen?
Böckenholt: Die Mittelkürzungen machen eine langfristige Investitionsplanung schwierig. Gleichzeitig ist genau diese Planung unverzichtbar – für Transparenz, für Prioritätensetzung, für die Personalplanung. Also machen wir es in kleinen Schritten: knappe Mittel klug einsetzen, den Gebäudebestand sichern und den Betrieb aufrechterhalten.
Bornkessel: Es gibt an der Hochschule auch Überlegungen, wie man insgesamt sparsamer mit Flächen umgehen kann. Wirtschaftliche Flächennutzung ist ein echter Hebel – nicht nur finanziell, sondern auch im Sinne der Nachhaltigkeit.
Müssen Sie befürchten, dass Gebäude wie an der TU wegen Baufälligkeit geschlossen werden müssen?
Bornkessel: An der FU muss derzeit kein Gebäude wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Aber es gibt natürlich einen Sanierungsstau, gerade bei den älteren Gebäuden aus den 1960er und 70er Jahren, die kontinuierlich betreut werden müssen.
Böckenholt: Vorübergehende Schließungen gab es bislang fast ausschließlich aus planbaren Gründen – für Sanierungen, Wartungsarbeiten oder technische Anlagen. Unser Ziel ist es, durch regelmäßige Wartung und Modernisierung größere Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen.
Der Berliner Senat plant die Errichtung einer Berliner Hochschulbaugesellschaft (BHG). Aufgaben des Bauens, der Instandhaltung und des Gebäudemanagements sollen künftig zentral von dieser neuen Einrichtung wahrgenommen werden. Wie stehen Sie zu dem Vorhaben?
Sonja Böckenholt und Pia Bornkessel beim Jahresempfang „Frühlingsimpulse“ im Henry-Ford-Bau
Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Böckenholt: Das Versprechen, über die BHG Bauprojekte kreditfinanziert zu ermöglichen, ist angesichts des hohen Sanierungsstaus und der bislang ausgebliebenen Finanzierung grundsätzlich positiv. Aber die genaue Ausgestaltung beobachten wir sehr aufmerksam.
Bornkessel: Die FU muss eigenständig und schnell handlungsfähig bleiben, gerade bei kleineren, dringenden Maßnahmen. Dies ist wichtig, um schnell bedarfsgerechte wirtschaftliche Lösungen umsetzen zu können. Uns beschäftigt die Unsicherheit über Zeitplan und Aufgabenumfang der BHG. Dies führt schon jetzt dazu, dass Sanierungsvorhaben in eine Warteschleife geraten. Das darf nicht passieren. Wir brauchen Klarheit – für die Planung von dringend erforderlichen Baumaßnahmen, aber auch für die Beschäftigten der Technischen Abteilung.
Die Freie Universität hat sich ambitionierte Klimaziele gesetzt. Welche Rolle spielt Ihre Abteilung dabei?
Böckenholt: Wir setzen die Klimaziele der Universität praktisch um durch energetische Sanierungen, Modernisierungen von Gebäudehüllen, die Optimierung der Heizungssysteme und der Gebäudeleittechnik, den Austausch der Beleuchtung durch LED und den Ausbau von Photovoltaikanlagen auf Dachflächen. Auch im laufenden Betrieb lässt sich durch gutes Monitoring viel Energie einsparen.
Was hat Sie persönlich gereizt, an die FU zu kommen?
Bornkessel: Wir schätzen das Arbeitsklima sehr – in der Technischen Abteilung selbst, aber auch in der Zusammenarbeit mit den Fachbereichen und der Verwaltung. Man steht plötzlich in Physiklaboren, in Tierkliniken, in historischen Bibliotheken und merkt, was man mit der eigenen Arbeit ermöglichen kann. Diese Identifikation spürt man bei viele Kolleginnen und Kollegen hier. Das ist wirklich besonders.
Warum sollten sich Handwerker oder Architektinnen für die Freie Universität als Arbeitgeberin entscheiden?
Böckenholt: Von Planung über Umsetzung bis hin zum Betrieb – das Spektrum an Aufgaben und Möglichkeiten ist riesig. Man arbeitet an wirklich außergewöhnlichen Gebäuden, hat abwechslungsreiche Aufgaben und gute Entwicklungsmöglichkeiten.
Die Fragen stellte Christopher Ferner


