„Auf die nächsten 10 ½ Jahre!“
Die Dahlem School of Education, die an der Freien Universität die Lehrkräftebildung bündelt, feiert Jubiläum – und erhält Dank, Anerkennung und Zukunftswünsche aus der Wissenschaft und Politik
19.06.2026
Geburtstagsgeschenk von der UdK: Die Band aus drei Musik-Lehramtsstudierenden und einem Tonmeister-Studierenden begleitete durch den Abend.
Bildquelle: Ralf Rühmeier
„Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus all diesen Jahren: Nicht Perfektion führt uns weiter, sondern die Entwicklung“ – Kajal Haizmann steht auf der Bühne im Audimax der Freien Universität Berlin und schaut ins Publikum.
DSE-Absolventin Kajal Haizmann, jetzt wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Biologie-Didaktik der Freien Universität Berlin.
Bildquelle: Ralf Rühmeier
Sie spricht stellvertretend für die vielen Absolvent*innen der Dahlem School of Education (DSE), die an diesem Donnerstagabend im Rahmen der Feierlichkeiten von 10 ½ Jahre DSE geehrt werden. Sie dankt „den Menschen, die uns Mut gemacht haben, wenn wir gezweifelt haben, die uns zugehört haben, wenn alles zu viel wurde. Und die an uns geglaubt haben.“
7000 Studierende werden an der Freien Universität Berlin zu Lehrer*innen ausgebildet, das ist ein Fünftel aller FU-Studierenden. Sie erwerben fundiertes Wissen in ihren jeweiligen Fächern, in deren Fachdidaktiken und in den Erziehungswissenschaften. Die dadurch enge Anbindung der Ausbildung an die Forschung ist die Stärke der Lehrkräftebildung an einer Universität. Frühzeitige praktische Erfahrungen in der Schule sowie die Analyse von Unterrichtsvideos etwa oder die Simulation von Elterngesprächen im Studium unterstützen die Studierenden dabei, nach und nach in ihre Rolle als Lehrer*in hineinzuwachsen.„Die DSE hält zusammen, was zusammengehört“
Auf die Notwendigkeit, die drei Säulen Fach, Fachdidaktik und Erziehungswissenschaft für die Lehrkräftebildung zu verbinden, wies Vizepräsident Sven Chojnacki, zuständig für Studium und Lehre, in seiner Begrüßung hin: „Die DSE hält zusammen, was zusammengehört: Lehrkräftebildung funktioniert nur im Dreiklang.“ Der habe sich bewährt und sei die Grundlage dafür, Studierende zu befähigen, später als Lehrer*in auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren zu können.
Die forschungsstarke Lehrkräftebildung der Dahlem School of Education sei zudem der „Motor der Lehrkräftebildung in Berlin“, so der Vizepräsident. Denn viele Innovationen sind in den vergangenen zehn Jahren und zuvor in Dahlem erdacht und erprobt worden: das Projekt K2teach – Know how to teach etwa, der Flex-Master, das Projekt FlexibeL – Flexibel berufsintegriert Lehramt studieren.
Der Vizepräsident antwortete damit auch auf Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl im September, der in dieser Woche mit einem Interview im Tagesspiegel für Aufsehen gesorgt hat: Er plädierte dafür, Lehrkräfte künftig außerhalb von Universitäten auszubilden.
Vizepräsident Sven Chojnacki sagte: Lehrkräftebildung werde in Berlin im Verbund geleistet, an der Universität der Künste, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität und der Freien Universität Berlin. „Die Freie Universität ist stolz auf die DSE, Berlin kann stolz auf alle Schools of Education sein, auch auf die DSE.“
„Lehren ist Handeln unter Druck“
„Lehren ist Handeln unter Druck“, beschrieb Felicitas Thiel die Aufgabe von Lehrkräften in der Schule. Die langjährige Professorin für Schulpädagogik und Schulentwicklungsforschung an der Freien Universität und seit 2021 Ko-Vorsitzende der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz hielt einen Impulsvortrag.
Um im Klassenzimmer krisenhafte Momente identifizieren und lösen zu können, helfe kein „Bauchgefühl“. Das gelinge nur „auf der Grundlage belastbarer Evidenz und reflektierter Erfahrung“ – auch hier wieder das Argument für forschungsorientierte Lehre in der Lehrkräftebildung.
„Die DSE ist eine Erfolgsgeschichte“. Und: „Auf die nächsten 10 1/2 Jahre!“. Zwei Sätze, die an diesem Donnerstagnachmittag immer wieder fielen. Kein Wunder, mag man sagen, bei einer Jubiläumsfeier wird eben bilanziert und gelobt. Schließlich sollte 10 ½ Jahre Dahlem School of Education gefeiert werden, also die Einrichtung, an der an der FU Berlin die Lehrkräftebildung gebündelt wird.
Bemerkenswert also nicht, dass die Sätze fielen, sondern vielmehr, wer sie sagte: Universitätspräsident Professor Günter M. Ziegler, der die 10 ½ für einen Exkurs in die Bruchrechnung nutzte und zu John F. Kennedy überleitete, der vor 63 Jahren, am 26. Juni 1963, vor eben diesem Henry-Ford-Bau gesprochen und die Universität aufgefordert hatte „Citizens of the World“ auszubilden. Der Präsident wünschte: „Auf die nächsten und übernächsten 10 ½ Jahre!“.
Musik, T-Shirts und Torte von HU und UdK
Auch die Vertreter*innen der entsprechenden Einrichtungen an der Universität der Künste und der Humboldt-Universität Berlin schätzen die Zusammenarbeit mit den DSE-Kolleg*innen und wünschten viele Jahre Fortführung, sie gratulierten mit Musik, Torte und T-Shirts.
„Der Flex-Master ist ein absolutes Erfolgsmodell“
„Auf die nächsten 10 Jahre!“, sagte dann auch Henry Marx, Staatssekretär für Wissenschaft. Der SPD-Politiker, der selbst mal Spanisch und Geschichte auf Lehramt studiert hat, wie DSE-Direktorin Professorin Sabine Achour verriet, dankte dem Direktorium und der Geschäftsführung der DSE ausdrücklich für ihr Engagement für die Lehrkräftebildung.
Er hob besonders die innovativen Ideen und Initiativen der DSE hervor. Den Flex-Master beispielsweise: Da seit einigen Jahren viele Lehramtsstudierende parallel zum Studium bereits an Schulen berufstätig sind, bietet die FU Berlin vom kommenden Wintersemester an, den Master in einer kompakten oder einer dualen Option zu studieren. In beiden Optionen werden die gleichen Module in unterschiedlicher zeitlicher Abfolge besucht.
„Der Flex-Master ist ein absolutes Erfolgsmodell, das ist so nah an der Lebensrealität von Studierenden gebaut, das ist richtig cool, was Sie da geschaffen haben“, beglückwünschte der Staatssekretär das DSE-Team. Das Gleiche gelte für den Q-Master. Q steht für Quereinstieg und richtet sich an Studierende ohne Lehramts-Bachelor.
Prof. Dr. Holger Gärtner, stellvertretender DSE-Direktor, ging didaktisch vor: Er machte ein Quiz mit dem Publikum und bat alle erstmal aufzustehen.
„Wertschätzung ausdrücken und Impulse setzen“ – dieses Ziel sollte die DSE-Feier erfüllen, hatte DSE-Direktorin Sabine Achour, die durch den Abend führte, zu Beginn gesagt. Klassenziel mehr als erreicht, ließ sich am Ende der Veranstaltung sagen.
Beim Empfang war das Foyer voller Menschen, die die DSE zusammengeführt hat. Und Nachwuchs war auch dabei: Mehrere Absolvent*innen hatten ihre Kinder mitgebracht.
Christine Boldt
Weitere Informationen
- Webseite der Dahlem School of Education
- Kontakt: Dr. Eva Terzer, Geschäftsführerin, E-Mail: geschaeftsfuehrung@dse.fu-berlin.de























