Nicht nur auf dem Papier
Wie die Freie Universität im Themenfeld Antidiskriminierung und Diversity aufgestellt ist
16.10.2026
Die Freie Universität hat eine Struktur für etwas geschaffen, das lange als Querschnittsthema galt und in mehrere Zuständigkeiten fiel: Diversity und Antidiskriminierung. Dafür hat die Hochschule in diesem Jahr die Re-Auditierung „Vielfalt gestalten“ des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft erfolgreich durchlaufen – nach der ersten Überprüfung drei Jahre zuvor.
Diversity, Antidiskriminierung, aber auch „Belonging“ sind zentral.
Bildquelle: Freie Universität Berlin
Ziel von Diversity-Arbeit ist, die vielfältigen Unterschiede zwischen Menschen anzuerkennen und Hürden für eine gleichberechtigte Teilhabe aller abzubauen. Daran arbeitet die Freie Universität seit vielen Jahren, ausgehend vom „Mission Statement Diversity“ 2013 und einem Diversity-Konzept von 2021.
Die Stabsstelle Diversity und Antidiskriminierung nahm im Sommer 2023 ihre Arbeit mit einem dreigliedrigen Ansatz auf: Prävention, Beratung und Beschwerdemanagement. Alle drei Aufgaben sollen unter einem Dach, aber klar getrennt voneinander funktionieren: Wer Diskriminierung erlebt, soll sich vertraulich beraten lassen können, ohne automatisch ein formales Verfahren auszulösen. Wer eine offizielle Beschwerde einreichen will, findet dafür eine weisungsunabhängige Stelle. Die Beratungsanfragen haben sich seit der Einrichtung mehr als verdoppelt. Dies wird nicht als Zeichen dafür gesehen, dass es mehr Diskriminierung gibt, sondern dafür, dass mehr Betroffene wissen, wohin sie sich wenden können.
Die Freie Universität hat in den vergangenen Jahren auch das rechtliche Fundament für diese Arbeit gelegt, unter anderem mit einer Antidiskriminierungssatzung und einem Code of Conduct für alle Mitglieder der Hochschule und ihre Gäste. Hinzu kommen eine Kommission für Diversity und Antidiskriminierung, dezentrale Ansprechpersonen an allen Fachbereichen und ein Beratenden-Netzwerk, das seit 2024 quartalsweise zusammenkommt. Das klingt nach viel Bürokratie und Gremienarbeit. Es ist aber die notwendige Struktur für etwas, das sich nicht per Beschluss einführen lässt: echtes kulturelles Umdenken.
Dafür rückt für die Freie Universität auch das Konzept des „Belonging“, der Zugehörigkeit, in den Fokus. Die Frage ist nicht mehr nur: Werden alle formal gleichbehandelt? Sondern: Erleben alle Universitätsmitglieder, dass ihre Perspektiven gesehen und gehört werden und sie Teil der Hochschulgemeinschaft sind? Das ist der Versuch, Diversity als Erfahrung zu begreifen und nicht allein als institutionelles Ziel. „Nur durch das Zusammenspiel von vielen verschiedenen Perspektiven und Lebenserfahrungen lassen sich neue Ideen entwickeln und kreative Lösungen für wissenschaftliche wie gesellschaftliche Probleme finden, die tragfähig sind“, sagt Verena Blechinger-Talcott, die als Erste Vizepräsidentin bis zu diesem Jahr verantwortlich für den Themenkomplex war.
Klar ist: Nur wer gleichberechtigt am akademischen Diskurs teilhaben kann, kann den Diskurs stärken. Wer aus Angst vor Anfeindungen schweigt oder ausgeschlossen bleibt, schwächt ihn. Diese Aussage verdeutlicht eine Haltung, an der sich die Freie Universität messen lassen muss.

