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Verbreiten sich Verschwörungstheorien durch Social Media schneller?

Sind Fakten-Checks ein wirksames Mittel gegen Fake-News? Wenn nicht, was kann man sonst dagegen tun? – Aus der Reihe: Was sagt die Wissenschaft?

18.06.2026

Verschwörungsmythen oder -theorien sind sehr wandelbar und anpassungsfähig. Verbreiten sie sich durch Social Media schneller? Was sagt die Wissenschaft?

Verschwörungsmythen oder -theorien sind sehr wandelbar und anpassungsfähig. Verbreiten sie sich durch Social Media schneller? Was sagt die Wissenschaft?
Bildquelle: erstellt mit KI

Wenn Kinder einander auf einem Berliner Schulhof erzählen, dass Jeffrey Epstein Kinder gegessen habe, sind offensichtlich zwei Dinge passiert: Ein mittelalterlicher Verschwörungsmythos wurde reaktiviert. Und: Durch Social Media wurde ein ganz neues und junges Publikum mit sehr altem Antisemitismus konfrontiert. 

Die promovierte Kommunikationswissenschaftlerin Annett Heft geht davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, mit verschwörungstheoretischen Inhalten in Kontakt zu kommen, durch die sozialen Medien deutlich größer geworden ist. Und sie weist darauf hin, wie wandelbar und anpassungsfähig Verschwörungsmythen oder -theorien sind: In der digitalen Sphäre verbreiten sie sich genau deshalb rasant, weil sie von den Verbreitenden den verschiedenen Medien angepasst werden. 

Oft kommen Verschwörungstheorien als lustig aufgemachte Clips daher

„Verschwörungstheoretische Inhalte sind oftmals je nach Plattform mehr oder weniger explizit formuliert“, sagt Heft. Auf den größeren Plattformen werde vorsichtiger formuliert, werde eher gefragt, nahegelegt, dass „da etwas dran sein könnte“. Oft kommen sie auch als lustig aufgemachte Clips daher, als Unterhaltung. Teilweise gelte: je abwegiger, desto lustiger. Und desto viraler. Mit dem Ziel, dass dadurch Anschlussfähigkeit bei einer breiteren Gruppe an Nutzenden erreicht wird, aber auch, um eine Regulierung seitens der Plattformen zu umgehen.

Eine zentrale Frage, die sich Annett Heft stellt, ist die eines möglichen Korrektivs: Eine Zeit lang galten Faktenchecks als nützliches Gegenmittel gegen Fake News und Verschwörungstheorien. Allerdings sind Faktenchecks nur bei einem Teil der Öffentlichkeit wirksam: Für überzeugte Anhänger von Verschwörungsmythen steht fest, dass gerade ihnen nicht zu trauen ist. In der Logik: Wenn ein Faktencheck etwas als Lüge überführt, dann muss es ja stimmen!

Die Plattformen müssten mehr Verantwortung übernehmen

Was helfen würde, sagt die Wissenschaftlerin, wäre ein zweiseitiger Ansatz: Die Plattformen müssten mehr Verantwortung übernehmen und einschreiten, wenn schädliche Inhalte auf ihren Seiten kursieren – wobei die Frage, was freie Meinungsäußerung und was „schädlich“ ist, nicht trivial ist. Und die Kompetenzen der Nutzenden, die oftmals noch sehr jung sind, müssten gestärkt werden, um sie zu immunisieren, wenn ihnen die nächste Verschwörungstheorie als viraler Tiktok-Clip entgegenschwappt. Damit sie zweimal überlegen, welchen Inhalt sie weiterverbreiten wollen.

Von Pepe Egger

Prof. Dr. Annett Heft, Weizenbaum-Institut

Prof. Dr. Annett Heft, Weizenbaum-Institut
Bildquelle: Katharina Stefes

Prof. Dr. Annett Heft leitet die Forschungsgruppe „Dynamiken der Digitalen Mobilisierung“ am Weizenbaum-Institut. Seit Oktober 2024 hat sie die Professur für Rechtsextremismusforschung mit Schwerpunkt Medien und Öffentlichkeiten an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen inne und leitet den Arbeitsbereich Medien und Öffentlichkeiten. 

Das Weizenbaum-Institut wurde im Jahr 2017 gegründet und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem Land Berlin gefördert. Die Freie Universität Berlin ist Teil des Forschungsverbunds aus Berlin und Brandenburg, der das Institut trägt. Weitere Verbundpartner sind die Humboldt-Universität zu Berlin, die Technische Universität Berlin, die Universität der Künste Berlin und die Universität Potsdam sowie das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) und das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).

Weitere Informationen

Was sagt die Wissenschaft? In dieser Reihe antworten Forschende der Freien Universität Berlin auf Fragen unserer Zeit. Alle bisher erschienenen Beiträge finden Sie hier