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Lerntipps für Studierende – und für Menschen, die nie auslernen

Oft ist nicht der Stoff das Problem, sondern fehlende Strategien

22.04.2026

Dr. Sabine Streller ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe Didaktik der Chemie an der Freien Universität Berlin.

Dr. Sabine Streller ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe Didaktik der Chemie an der Freien Universität Berlin.
Bildquelle: privat

Wie lernt man effizient? Weil immer mehr Studierende ihre Klausuren im ersten Anlauf nicht bestehen, hat Sabine Streller, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe Didaktik der Chemie, gemeinsam mit dem Studierenden Imad Chahrour und dem Chemieprofessor Christoph Schalley in einer Umfrage zu den Gründen geforscht. Das Ergebnis: Nicht der Stoff ist das Problem, sondern fehlende Lernstrategien. „Die Anforderungen im Studium sind höher als in der Schule“, sagt die promovierte Chemie-Didaktikerin.

Das Team hat fünf Lerntipps entwickelt, die auch Studierenden anderer Fächer oder beim Lernen außerhalb des Studiums helfen können:

1. Denken Sie über Ihre Lernstrategien nach.

Wann lerne ich? Wie viel Zeit wende ich tatsächlich dafür auf? Beobachten Sie sich eine Woche lang selbst und schreiben Sie ein Lernprotokoll. Bewerten Sie anschließend, wie nützlich und effizient Ihre Arbeit war. Das hilft Ihnen zu erkennen, ob Ihre Strategien angemessen sind.

2. Reflektieren Sie auch Ihre Lernmethoden.

Lesen, schreiben, hören, Quizze, Lernkarten, in Gruppen oder allein, diskutieren oder Aufgaben für sich und andere entwerfen – wie lernen Sie am besten? Mit etwas Hintergrundwissen über Kognition und Lernen können Sie beurteilen, wie effektiv Ihre Vorlieben sind. Spoiler: Nur zuhören oder zugucken reicht nicht. Um Wissen dauerhaft zu verankern, müssen Sie es aktiv selbst konstruieren, also darüber nachdenken und Neues mit Vorhandenem verknüpfen.

3. Einfach zu viel Stoff? Hinterfragen Sie dieses Denkmuster.

Studierende nehmen Lehrbücher häufig als einzelne Objekte wahr. Doch oft tauchen ähnliche Themen in mehreren Kapiteln auf. Suchen Sie nach Gemeinsamkeiten! Wenn Sie in der Chemie oder anderen Fächern die Basiskonzepte verstanden haben, können Sie diese vielseitig anwenden und Zusammenhänge erkennen. Plötzlich ist gar nicht mehr so vieles neu.

4. Knüpfen Sie ein Wissensnetz.

Stellen Sie bei jedem neuen Thema Verbindungen zu Ihrem bestehenden Wissen her. Eine übersichtliche Mindmap auf Papier oder auf dem Tablet hilft Ihnen dabei. In Ihrer Studienordnung sind Lernziele und Inhalte jeder Lehrveranstaltung bereits „kartiert“. Sie werden feststellen, dass viele bekannte Inhalte in neuen Zusammenhängen wieder auftauchen. Daran zeigt sich auch, dass es sich lohnt, nicht nur kurzfristig für eine Klausur zu lernen und hinterher alles wieder zu vergessen.

5. Machen Sie einen Plan.

Stellen Sie zum Semesterstart einen ausführlichen – schriftlichen! – Plan auf: Wann sind Prüfungen? Wie viel Zeit nehme ich mir, um dafür zu lernen? Soll ich in einem Kurs direkt in die Nachklausur gehen, damit ich mehr Zeit zum Lernen habe? In der Studienordnung steht, wie viele Stunden Sie während des Semesters für Lehrveranstaltungen inklusive Vor- und Nachbereitung einplanen sollten. Denken Sie auch an Pausen und das Leben außerhalb der Uni: Wann machen Sie Urlaub oder brauchen einen freien Tag? Wann müssen Sie arbeiten? Was haben Sie sonst noch vor? Alle übrigen Tage sind potenzielle Lerntage. Wenn der Plan steht, sollten Sie unbedingt überprüfen, ob er auch funktioniert. Wenn nicht: gegensteuern oder umplanen!

Und zu guter Letzt: Erinnern Sie sich daran, was Sie an Ihrem Fach fasziniert – das trägt Sie auch durch anstrengende Phasen.