Sichtbarkeit schaffen, Vertrauen stärken
Nachhaltigkeit kommunizieren an einer komplexen Institution / Interview mit Karin Bauer-Leppin, Leiterin der Stabsstelle Kommunikation und Marketing
07.09.2026
Karin Bauer-Leppin: „Wichtig ist, Kommunikation noch stärker mitzudenken – nicht erst am Ende, sondern am Anfang eines Prozesses.“
Bildquelle: Bernd Wannenmacher / Novamondo
Die Stabsstelle Kommunikation und Marketing ist das Gesicht der Freien Universität. Ein Gespräch mit der Leiterin, Karin Bauer-Leppin, über die Rolle des Themas Nachhaltigkeit.
Frau Bauer-Leppin, zu den Aufgaben der Stabsstelle Kommunikation und Marketing zählt, die Leitziele und Werte der Universität aktiv und glaubwürdig zu kommunizieren. Welche Rolle nimmt dabei das Thema Nachhaltigkeit ein?
Nachhaltigkeit ist Querschnittsaufgabe und Leitprinzip. Sie betrifft Forschung, Lehre, Betrieb und Transfer – und damit auch die Kommunikation. Gleichzeitig hat sie eine besondere Stellung, weil sie stark mit gesellschaftlichen Erwartungen verbunden ist. Für uns bedeutet das: Nachhaltigkeit muss sichtbar sein, aber auch glaubwürdig aus der Substanz der Universität heraus kommuniziert werden – zeigen, was die Freie Universität tatsächlich tut, und wo sie mehr tut als andere. Denn praktisch jede Hochschule, wahrscheinlich jede Bildungseinrichtung, bezeichnet Nachhaltigkeit als eines ihrer Ziele.
Welche Chancen und Risiken gehen aus Kommunikationssicht mit dem Thema Nachhaltigkeit einher?
Die Chance liegt darin, dass Nachhaltigkeit ein Thema mit hoher Relevanz und Anschlussfähigkeit für viele der Mitglieder der Universität und auch kommende Studierende ist. Es erhält Aufmerksamkeit und ist vielen wirklich wichtig.
Das Risiko besteht darin, dass unterschiedliche Erwartungen aufeinandertreffen: Wissenschaft soll forschen und einordnen, aber oft wird auch Haltung oder Aktivität erwartet. »Ihr redet nur und tut nichts!«, heißt es dann. Und tatsächlich setzen sich auch Forschende aktiv für Nachhaltigkeit ein und engagieren sich politisch oder ehrenamtlich. Wenn diese Rollen nicht klar sind, entstehen schnell Missverständnisse. Gute Kommunikation muss diese Spannungen bewusst reflektieren.
Klimaschutz und Nachhaltigkeit waren im vergangenen Jahrzehnt in Politik und Gesellschaft en vogue. Heute überwiegen eher skeptische Grundhaltungen gegenüber Wissenschaft und dem Thema Nachhaltigkeit. Wie gehen Sie damit um? Welche Anforderungen ergeben sich daraus für die Wissenschaftskommunikation?
Wir beobachten tatsächlich, dass wissenschaftliche Expertise stärker hinterfragt wird. Gerade beim Klimathema werden Forschungsergebnisse mitunter als Meinung eingeordnet. Das erhöht die Anforderungen an Wissenschaftskommunikation: Sie muss noch klarer zwischen Einordnung, Bewertung und möglichen Handlungsoptionen unterscheiden – und transparent machen, wer spricht und in welcher Rolle. Gleichzeitig haben Universitäten auch die Aufgabe, die wissenschaftliche Integrität ihrer Forschenden sichtbar zu machen und zu schützen.
… und hier an der Freien Universität Berlin?
An der Freien Universität zeigt sich das Spannungsfeld sehr konkret. Mit der Klimanotstandserklärung hat sich die Universität bewusst exponiert, in gewisser Hinsicht als Institution aktivistisch gezeigt und damit auch hohe Erwartungen geweckt. Immerhin gehört die Freie Universität zu den Hochschulen, die bei der Umsetzung von Klimazielen im eigenen Betrieb bereits sehr weit sind.
Aus Kommunikationssicht könnten wir das noch deutlicher und selbstbewusster sichtbar machen. Denn gerade in einem zunehmend skeptischen Umfeld ist es wichtig, nicht nur über Ziele zu sprechen, sondern auch über das, was bereits konkret erreicht wurde.
Universitäten sind sehr komplex organisiert – welche Herausforderungen ergeben sich dadurch für eine gelungene Nachhaltigkeitskommunikation?
Die größte Herausforderung ist tatsächlich die Komplexität selbst. Eine Universität spricht nicht mit einer Stimme – und das muss sie auch nicht. Entscheidend ist, dass sich die unterschiedlichen Stimmen aufeinander beziehen können.
Dafür spielt die interne Nachhaltigkeitskommunikation eine zentrale Rolle. Formate wie der Nachhaltigkeitsbericht oder andere interne Informationsangebote schaffen eine gemeinsame Wissensbasis: Was passiert eigentlich an der Universität? Wo stehen wir? Welche Ziele verfolgen wir? Erst auf dieser Grundlage können Forschende, Einrichtungen und die zentrale Kommunikation ihre jeweiligen Perspektiven einbringen, ohne aneinander vorbeizureden.
Gute Nachhaltigkeitskommunikation beginnt deshalb intern – und wirkt dann nach außen glaubwürdig und konsistent.
Sie begleiten seit einigen Jahren das Beratungsgremium Nachhaltigkeit & Klimaschutz. Haben Sie aus Kommunikationssicht Wünsche an das Beratungsgremium?
Wichtig ist, Kommunikation noch stärker mitzudenken – nicht erst am Ende, sondern am Anfang eines Prozesses. Da ist es ein Vorteil, im Gremium schon früh dabei zu sein. Dazu gehört auch die Frage: Was wollen wir mit bestimmten Maßnahmen oder Positionen kommunikativ erreichen, und wen wollen wir ansprechen?
Die Fragen stellten Judith Hübner, Katrin Schweigel und Andreas Wanke.
Das Interview erschien zuerst im Nachhaltigkeitsbericht 2026 der Freien Universität Berlin.

