Die Geschichte eines lernenden Bildungsformats
Die Schüler:innenUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz feiert 20-jähriges Bestehen / Anmeldung: bis 2. September / Interview mit der Initiatorin und Projektleiterin Karola Braun-Wanke
31.08.2026
Lehrkräften fehlen oft fachliche Grundlagen und didaktische Zugänge zu Energie- und Nachhaltigkeitsthemen. Genau dort setzt das Projekt von Karola Braun-Wanke an.
Bildquelle: Clara Wanke
Die Schüler:innenUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz bietet für Schulklassen und Lehrkräfte zwei Mal im Jahr einwöchige Programme und Fortbildungen zu den 17 Sustainable Development Goals (SDGs). Ihr 20-jähriges Bestehen feiert sie am 1. September 2026 mit der Jubiläumstagung „Bildung, die knistert“. Initiatorin und Projektleiterin Karola Braun-Wanke erzählt, wie alles begann und was das Format so erfolgreich macht.
Frau Braun-Wanke, welche Idee stand am Anfang des Projekts?
Die Schüler:innenUni wurde erstmals 2006 im Rahmen einer internationalen Fachtagung zu Fragen der Energiewende als Pilotprojekt realisiert. Für mich als Wissenschaftlerin war damals klar: Diese zukunftsrelevanten Debatten müssen wir auch für Kinder und Jugendliche öffnen. Meine Recherchen an Berliner Schulen haben schnell gezeigt, dass Lehrkräfte ein prinzipielles Interesse an Energie- und Nachhaltigkeitsthemen hatten, aber oft fachliche Grundlagen und didaktische Zugänge fehlten. Genau hier wollte ich ansetzen.
Bis heute steht die Schüler:innenUni für eine transformative Bildung, die Klima-, Arten-, Ressourcenschutz und Gerechtigkeitsfragen in den Mittelpunkt rückt und Kindern mit allen Sinnen vermittelt, wie sie mit Wissen und Kreativität ein klimafreundliches, gerechtes Leben im Einklang mit der Natur gestalten können.
Sie ist nebenbei eine echte Erfolgsgeschichte: Über 50.000 Schüler*innen und 4.500 Lehrkräfte haben mittlerweile an unserem Bildungsformat teilgenommen.
Welche Faktoren waren aus Ihrer Sicht entscheidend, um die Schüler:innenUni über 20 Jahre hinweg so erfolgreich zu etablieren?
Jede gute Projektidee ist nur so gut wie ihre ideelle und finanzielle Unterstützung. Um so lange durchzuhalten, braucht es aber auch eine hohe intrinsische Motivation und einen langen Atem. Die Universität als Lernort für Klima und Nachhaltigkeit für Schulen zu öffnen, war damals ein bildungspolitisches Novum und fand sofort große Resonanz. Wir wurden früh von wichtigen Akteuren wie dem Bundesumweltministerium, renommierten Klimawissenschaftler*innen und der Hochschulleitung unterstützt. Hinzu kam die Förderung durch die Europäische Kommission und den Berliner Senat.
Dass die Schüler:innenUni bis heute eine so große Akzeptanz hat, liegt daran, dass wir uns als lernendes Projekt verstehen. Das heißt, dass wir das Programm inhaltlich und methodisch ständig an die Herausforderungen der Lehrkräfte anpassen.
Es mag überraschen, ein Bildungsprogramm für 5. und 6. Klassen an einer Universität zu finden. Warum ist die Freie Universität der richtige Ort für so ein Projekt?
Die Schüler:innenUni ist kein Add-on, sondern schafft echten Mehrwert für die Universität. Nach einer ersten Pilotphase wurde das Bildungsformat im Rahmen eines dreijährigen internationalen Forschungsprojekts in Zusammenarbeit mit fünf europäischen Universitäten stetig weiterentwickelt. Mit unserem kostenfreien Programm übernimmt die Freie Universität eine Vorbildfunktion auch für Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe.
Kinder lernen die Uni als inspirierenden Lernort kennen und setzen sich mit Zukunftsthemen wie Klima-, Arten- und Naturschutz auseinander. Das ist Nachwuchsförderung und trägt zugleich zur Erfüllung der Ziele der zwischen Berliner Senat und Hochschule geschlossenen Klimaschutzvereinbarung bei.
Zudem profitiert die Lehramtsausbildung. Lehramtsstudierende als wichtige Multiplikator*innen für Bildung für nachhaltige Entwicklung entwickeln für uns Workshops und setzen sie in der Praxis um. Unsere Universität unterstreicht damit ihre Glaubwürdigkeit im Nachhaltigkeitsbereich.
Der Kern der Schüler:innenUni basiert auf einem starken Netzwerk aus rund 100 Referent*innen, sowohl von der Freien Universität als auch aus der Stadtgesellschaft. Wie wichtig ist dieses Netzwerk?
Kooperation und Co-Kreation liegen in unserer DNA. Über die Jahre haben wir ein starkes Bildungsnetzwerk aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Verbänden aufgebaut. Nur durch die Vielzahl unserer Referent*innen aus unterschiedlichen Kontexten können wir die Qualität und Perspektivenvielfalt der rund 150 Workshops und Fortbildungen pro Jahr gewährleisten. Auch unsere Partner*innen profitieren davon. Sie erreichen durch uns neue Zielgruppen und können neue Bildungsformate erproben.
Auch vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen: Welchen Weg wird die Schüler:innenUni weiter beschreiten?
Für ein gelungenes gesellschaftliches Miteinander brauchen wir auch in Zukunft Lern- und Erfahrungsräume, in denen Kinder und Jugendliche Aushandlungsprozesse und Zusammenhalt erleben können. Wir wollen mit unserem Programm immer nah an den aktuellen gesellschaftlichen Fragen und den Erfahrungshorizonten der Schüler*innen bleiben. Diese bedarfsgerechte und persönliche Ausrichtung ist und bleibt unser Erfolgsgarant.
Die Fragen stellten Judith Hübner, Katrin Schweigel und Andreas Wanke.
Das Interview erschien zuerst im Nachhaltigkeitsbericht 2026 der Freien Universität Berlin.
Weitere Informationen
Das nächste Mitmachprogramm der Schüler:innenUni findet vom 28. September bis 2. Oktober 2026 statt. Die Anmeldung ist noch bis zum 2. September möglich.

