Springe direkt zu Inhalt

Mehr Platz fürs Rad

Neue Fahrradbügel und überdachte Stellplätze: Mit FUturRad baut die Freie Universität ihre Fahrradinfrastruktur weiter aus. Quentin Fleischer von der Technischen Abteilung zeigt, was hinter den sichtbaren Veränderungen auf dem Campus steckt

24.09.2026

Quentin Fleischer aus der Technischen Abteilung der Freien Universität Berlin hat die bauliche Umsetzung der verbesserten Fahrradstruktur auf dem Campus betreut.

Quentin Fleischer aus der Technischen Abteilung der Freien Universität Berlin hat die bauliche Umsetzung der verbesserten Fahrradstruktur auf dem Campus betreut.
Bildquelle: Bernd Wannemacher

Worum geht’s?
Wo alte Fahrradständer nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechen oder Abstellmöglichkeiten fehlen, setzt FUturRad an. Bis 2027 sollen in Dahlem, Lankwitz und Düppel rund 700 Fahrradabstellmöglichkeiten entstehen. Darüber hinaus umfasst das Projekt E-Lastenräder und Dienstfahrräder sowie Workshops und Mobilitätsumfragen. Die Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie hat die Förderung gemeinsam mit der Technischen Abteilung eingeworben. Das Projekt wird im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert; das Gesamtvolumen liegt bei rund 810.000 Euro, von denen rund 80 Prozent aus Fördermitteln stammen.

Was auf dem Papier zunächst einfach klingt, wird vor Ort schnell zur Planungsaufgabe: Mal verlaufen Leitungen unter dem vorgesehenen Standort, mal steht ein Baum im Weg, andernorts geben Denkmal- oder Naturschutz den Rahmen vor. Im Interview berichtet Quentin Fleischer, warum zwischen Planung und fertigem Fahrradstellplatz manchmal mehr liegt als gedacht.

Herr Fleischer, welche Rolle hatten Sie und die Technische Abteilung bei FUturRad?

Die Technische Abteilung war für die bauliche Umsetzung des Projekts zuständig. Alles, was die Errichtung von Fahrradbügeln und Überdachungen betraf, lief über uns. Die Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie kümmerte sich unter anderem um Workshops, Informationsangebote und die Beschaffung von Diensträdern.

Die Planungen für FUturRad reichen einige Jahre zurück. Seit 2021 wurde daran gearbeitet, wie sich nachhaltige Mobilität an der FU stärken lässt. Ende 2024 habe ich den baulichen Teil des Projekts übernommen und die Umsetzung koordiniert.

Was bedeutet „bauliche Umsetzung“ konkret?

Dazu gehört zunächst, Firmen zu beauftragen und die einzelnen Maßnahmen zu koordinieren. Dabei müssen unterschiedliche rechtliche und bauliche Vorgaben berücksichtigt werden. An der FU gibt es zum Beispiel viele denkmalgeschützte Gebäude, in Düppel kommen besondere Anforderungen der Naturschutzbehörde hinzu. Unsere Aufgabe war es, diese verschiedenen Vorgaben zusammenzubringen und in der konkreten Umsetzung zu berücksichtigen.

Auch vor der Sporthalle der Freien Universität Berlin am U-Bahnhof Dahlem Dorf wurden die Stellplätze überdacht. Ergänzt wurde eine Reparaturstation.

Auch vor der Sporthalle der Freien Universität Berlin am U-Bahnhof Dahlem Dorf wurden die Stellplätze überdacht. Ergänzt wurde eine Reparaturstation.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Was hat sich für Radfahrende auf dem Campus in den vergangenen ein bis zwei Jahren verbessert?

Durch FUturRad hat sich die Fahrradinfrastruktur am Hauptcampus ebenso wie in Lankwitz und Düppel deutlich verbessert. Vorher gab es dort sehr unterschiedliche, teilweise veraltete Fahrradständer. Bei manchen Anlagen lagen nur etwa 40 Zentimeter zwischen den Fahrrädern. Kommt dort ein Lastenrad hinzu oder hat ein Fahrrad größere Taschen, wird es schnell eng und auch das Anschließen schwieriger.

Deshalb haben wir gezielt ältere Anlagen ersetzt und neue Fahrradbügel ergänzt, auch dort, wo bislang Abstellmöglichkeiten fehlten. Natürlich konnten wir nicht alle alten Anlagen austauschen oder überall Überdachungen errichten, insgesamt haben wir aber an vielen Standorten bessere Bedingungen geschaffen.

Ein weiteres Angebot, das ich sehr sinnvoll finde, sind die Dienstfahrräder. Ich selbst komme aus Pankow und habe einen langen Arbeitsweg. Wenn ich während des Arbeitstages zwischen verschiedenen Standorten unterwegs bin, ist das Fahrrad eine gute Alternative zum Auto oder zum öffentlichen Nahverkehr. Solche Angebote können zusammen mit guten Abstellmöglichkeiten dazu beitragen, dass das Fahrrad auf dem Campus häufiger genutzt wird.

Überdacht und Abstand: Lastenräder brauchen mehr Platz, deswegen stehen die Bügel weiter auseinander.

Überdacht und Abstand: Lastenräder brauchen mehr Platz, deswegen stehen die Bügel weiter auseinander.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Wie wurde entschieden, an welchen Standorten neue Fahrradbügel und Überdachungen entstehen?

Ausgangspunkt war eine Erhebung der Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie: Wie viele Fahrräder stehen an den einzelnen Gebäuden und wie stark sind die vorhandenen Abstellanlagen ausgelastet? Auf dieser Grundlage wurde der Förderantrag gestellt, der uns einen klaren Rahmen vorgab. Sind darin für einen Standort beispielsweise 20 neue Fahrradbügel vorgesehen, kann man davon nicht ohne Weiteres abweichen. Änderungen müssen mit dem Fördermittelgeber abgestimmt und entsprechend begründet werden.

Zusätzlich haben wir fast alle Fahrradbügel auf dem FU-Gelände erfasst und in Übersichtsplänen kartiert. So konnten wir genauer prüfen, wo weitere Bügel sinnvoll untergebracht werden können. In die Planung flossen außerdem Rückmeldungen aus den Fachbereichen und von der Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie ein. Sie wurde im Laufe des Projekts also immer weiter konkretisiert.

Unterscheiden sich die Anforderungen zwischen Dahlem, Lankwitz und Düppel?

Ja, durchaus. In Lankwitz und Düppel waren bereits vergleichsweise gute Fahrradbügel vorhanden, sodass wir dort vor allem ergänzen konnten. Anders in Dahlem, insbesondere rund um den Rost- und Silberlaubenkomplex: Dort gibt es noch viele ältere Abstellanlagen, entsprechend größer war der Erneuerungsbedarf. Gleichzeitig sollten sich die neuen Bügel möglichst gut in den Bestand einfügen und ein einheitliches Gesamtbild ergeben.

Eine Besonderheit in Düppel ist der Naturschutz. Teile des Campus liegen im Landschaftsschutzgebiet, sodass wir besondere Vorgaben beachten mussten, etwa beim Erdaushub und beim Umgang mit dem Boden. Solche Anforderungen gab es an den anderen Standorten nicht.

Wie weit ist die Umsetzung inzwischen?

Wir sind fast fertig. Die Umsetzung haben wir auf zwei Vergaben aufgeteilt, auch weil bei einem Förderprojekt feste Fristen für den Mittelabfluss gelten, öffentliche Vergabeverfahren aber mehrere Monate dauern können. Beides miteinander zu vereinbaren, war eine der größten Herausforderungen.

Inzwischen laufen nur noch einzelne Arbeiten. Weil wir bei den Vergaben gute Preise erzielen konnten, bleibt Spielraum für zusätzliche Maßnahmen. An einigen Standorten kommen deshalb weitere Fahrradbügel oder Überdachungen hinzu. Bis Ende des Jahres soll die bauliche Umsetzung abgeschlossen sein.

Damit werden also mehr Fahrradbügel und Überdachungen gebaut als ursprünglich vorgesehen?

Genau. Im ursprünglichen Förderantrag waren meines Wissens zwei große Überdachungen und 650 Fahrradbügel vorgesehen. Inzwischen kommen wir auf insgesamt acht Überdachungen und rund 680 Bügel.

Ganz exakt lässt sich die Zahl allerdings erst am Ende beziffern. Denn was auf dem Plan funktioniert, kann vor Ort plötzlich ganz anders aussehen: Da steht ein Baum, der nicht eingezeichnet war, oder unter der vorgesehenen Fläche verlaufen Regenwasser- oder Stromleitungen. Dann müssen wir umplanen. Manchmal fallen an einem Standort drei Bügel weg, während an anderer Stelle noch zwei hinzukommen.

Wie werden die neuen Abstellmöglichkeiten angenommen?

Besonders positive Resonanz haben wir an der Van’t-Hoff-Straße 8 und der Boltzmannstraße 3 bekommen. Kurz nach dem Aufbau einer neuen Fahrradüberdachung waren wir dort zur Kontrolle, als zwei Studierende auf uns zukamen und direkt fragten, ob wir nicht auch die übrigen Fahrradständer überdachen könnten. Die neue Überdachung gefiel ihnen so gut. Über solche Reaktionen freut man sich natürlich.

Auch über Social Media bekommen wir mit, dass die neuen Überdachungen und Abstellmöglichkeiten gut ankommen. Insgesamt ist das Feedback überwiegend positiv. Vereinzelt gibt es aber auch Kritik, etwa wenn für neue Fahrradbügel bisherige Autoparkplätze genutzt werden.

Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf auf dem Weg zu einem fahrradfreundlichen Campus?

Ein Punkt sind Fahrradreparaturstationen. Davon haben wir im Rahmen des Projekts bereits mehrere aufgestellt. Sie sind frei zugänglich und können damit nicht nur von FU-Angehörigen genutzt werden. Trotzdem gibt es noch Standorte, an denen weitere Stationen sinnvoll wären. Außerdem wäre es gut, wenn es künftig noch einmal die Möglichkeit für ein Förderprojekt gäbe, mit dem weitere alte Fahrradabstellanlagen ausgetauscht werden können.

Langfristig muss man außerdem berücksichtigen, dass die Zahl der Radfahrenden im Idealfall weiter zunimmt. In zehn oder fünfzehn Jahren können die Anforderungen an die Zahl und Qualität der Abstellplätze schon wieder andere sein. Deshalb sollte die Fahrradinfrastruktur kontinuierlich weiterentwickelt werden. Und schließlich geht es auch um die Radwege außerhalb des Campus. Darauf hat die Universität natürlich nur begrenzten direkten Einfluss, kann sich aber für Verbesserungen einsetzen. Denn bessere Fahrradrouten im Umfeld helfen allen, die mit dem Rad zur FU oder zwischen den Standorten unterwegs sind.

Die Fragen stellte Lena Gärtner

Weitere Informationen

Infos zu Jelbi
Jelbi bündelt verschiedene Mobilitätsangebote in Berlin und Brandenburg und verknüpft den öffentlichen Nahverkehr mit Sharing-Angeboten. Am Campus der FU in Dahlem gibt es mittlerweile acht Jelbi-Punkte. Ergänzt wird das Angebot durch neue Standorte am Campus Lankwitz in der Malteserstraße und am Campus Düppel am Oertzenweg. Damit werden die Sharing-Angebote auch zwischen den Campussen erweitert. An den Jelbi-Punkten können verschiedene Sharing-Fahrzeuge wie Fahrräder, E-Scooter und E-Mopeds ausgeliehen und abgestellt werden. So lassen sich Wege auf und zwischen den FU-Standorten sowie die Anbindung an den ÖPNV flexibler gestalten.