Springe direkt zu Inhalt

Damit Forschung nachhaltig, nachvollziehbar und anschlussfähig wird

Sibylle Söring über den Aktionstag „Forschungsdaten@BUA“ am 21. Oktober 2026, die begleitende Aktionswoche, typische Herausforderungen im Umgang mit Forschungsdaten und die Angebote des Projekts „CARDS“

21.09.2026

Sibylle Söring leitet das Team Forschungsdatenmanagement in der Zentralbibliothek der Freien Universität Berlin und das Projekt „Collaboratively Advancing Research Data Support (CARDS)" der Berlin University Alliance

Sibylle Söring leitet das Team Forschungsdatenmanagement in der Zentralbibliothek der Freien Universität Berlin und das Projekt „Collaboratively Advancing Research Data Support (CARDS)" der Berlin University Alliance
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Forschungsdatenmanagement wirft eine Vielzahl praktischer Fragen auf: Wie lassen sich Daten dauerhaft dokumentieren, sichern und nachnutzbar machen? Welche Praktiken helfen dabei, die eigenen Daten „FAIR“ zu gestalten – sie zu FAIRifizieren? Und welche Unterstützung steht zur Verfügung, wenn dabei rechtliche, technische oder organisatorische Fragen auftauchen?

Der Aktionstag „Forschungsdaten@BUA“ am 21. Oktober 2026 an der Freien Universität widmet sich diesen Herausforderungen aus der Praxis an den vier Häusern der Berlin University Alliance. In der gesamten Woche wird es zudem Workshops rund um das Thema Forschungsdaten geben. Sibylle Söring, Leiterin des CARDS-Projekts und des Teams Forschungsdatenmanagement an der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, erklärt, für wen Aktionstag und -woche interessant sind und was gutes Forschungsdatenmanagement leisten kann.

Worum geht es?
Der Aktionstag „Forschungsdaten@BUA“ bringt Forschende, Lehrende, Promovierende und wissenschaftsunterstützende Mitarbeitende der Berlin University Alliance zusammen, um sich über den Umgang mit Forschungsdaten auszutauschen.

Im Mittelpunkt stehen Erfahrungen aus der Praxis, Best Practices und die Frage, wie sich Herausforderungen beim Forschungsdatenmanagement gemeinsam bearbeiten lassen. Der Aktionstag findet am 21. Oktober 2026 im Seminarzentrum der Freien Universität Berlin statt. Die gesamte Woche (19.-23.10.) bietet darüber hinaus verschiedene Workshops rund um das vielschichtige Thema. Hier geht es um „Research Data Literacy“ – von der rechtssicheren Anwendung von KI im Forschungsdatenmanagement über die Nutzung elektronischer Laborbücher, praktische Alltagstools zur Datenbereinigung mit OpenRefine bis hin zur Erstellung FAIRer und reproduzierbarer Daten mit Wikidata, außerdem um Urheberrecht in der Forschung: Daten sicher nutzen, teilen und publizieren. Sowohl in den Workshops der Aktionswoche als auch für den Forschungsdatentag gibt es noch freie Plätze. Gleich anmelden! 

Warum ist das wichtig?
Forschungsdatenmanagement betrifft sämtliche Bereiche des wissenschaftlichen Forschungsprozesses – von der Erhebung, Erschließung und Analyse über die Dokumentation, Veröffentlichung und Archivierung von Daten bis hin zu rechtlichen und ethischen Fragen. 

Der Aktionstag bietet Gelegenheit, den konkreten Umgang mit Forschungsdaten anhand von Praxisbeispielen von Forschenden aus der Freien Universität Berlin, der Technischen Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin kennenzulernen, Erfahrungen aus unterschiedlichen Disziplinen zu teilen, voneinander zu lernen und von konkreten Lösungen für den eigenen Arbeitsalltag zu profitieren. Dazu zählen auch die verschiedenen FDM-Supportangebote, die im BUA-Projekt „Collaboratively Advancing Research Data Support“ (CARDS) entwickelt werden, und die FDM-Servicestellen der BUA-Häuser zusammen mit den technischen FDM-Infrastrukturen.

Frau Söring, welche Herausforderungen im Umgang mit Forschungsdaten stehen beim Aktionstag im Mittelpunkt?
Der Aktionstag greift die Fragen auf, die Forschende im Alltag tatsächlich beschäftigen: Wie dokumentiere ich meine Daten so, dass sie auch in fünf oder zehn Jahren nachvollziehbar und nutzbar sind? Wie sichere ich sie rechtlich und technisch ab? Wie teile und/oder publiziere ich sie? Und wie schaffe ich es, meine Daten für eigene Anschlussprojekte, aber auch für Kolleg*innen und andere Forschende leichter auffindbar, zugänglich, und wiederverwendbar zu machen, ohne dass daraus ein zusätzlicher Vollzeitjob wird?

Das Programm spiegelt diese Bandbreite wider: Es reicht von strukturellen Themen wie den konkreten Unterstützungsangeboten der vier BUA-Häuser und der Berlin University Alliance sowie ihren beratenden und technischen Infrastrukturen über sehr konkrete Praxisfelder wie Sammlungsdaten, ethnologische Forschungsdaten oder Rechtsfragen bis hin zur Verankerung von FDM-Kompetenz in Forschungsgruppen, in Curricula oder an Fachbereichen. Die ganz großen Themen wie Forschungssicherheit in Zeiten der Polykrise und die Herausforderungen, die generative Künstliche Intelligenz und ihre Kapitalisierung an das Paradigma der offenen Wissenschaft stellt, werden sicherlich an einigen Stellen mitschwingen.

Wo liegen die häufigsten Stolpersteine – und welche Lösungen oder Ansätze gibt es, um mit ihnen umzugehen?
Eine zentrale Hürde ist, dass Forschungsdatenmanagement oft als Buch mit sieben Siegeln, als lästige, komplexe Mehrarbeit wahrgenommen wird. FDM wird oft erst dann zum Thema, wenn Drittmittel eingeworben werden oder ein Projekt schon läuft – oder sogar erst, wenn es endet und die Daten irgendwie gesichert werden sollen. Dann ist es für viele gute Praktiken zu spät. Zumindest wird der gesamte Prozess aufwendiger zu einem Zeitpunkt, wenn oft nur noch wenige Mitarbeitende verfügbar sind. Im schlimmsten Fall droht Datenverlust – oft, weil Zuständigkeiten und Rollen ungeklärt blieben, oder weil Unterstützungsangebote nicht bekannt sind.

Wie setzt der Aktionstag Forschungsdaten@BUA hier an?
Uns geht es darum, Forschungsdatenmanagement als zentralen Faktor des Forschungsprozesses zu vermitteln, an dessen Ende „bessere Forschung“ im Sinne der guten wissenschaftlichen Praxis steht: Forschung, die nachhaltig ist, deren Ergebnisse möglichst lange und möglichst offen zugänglich sind, deren Daten ohne große zusätzliche Aufwände auch für Folgeforschung – eigene oder fremde – nachvollziehbar und anschlussfähig sind: für neue Fragestellungen, Meta-Analysen, für die Verknüpfung mit anderen Daten oder auch zum besseren Verständnis eines spezifischen Forschungsdesigns.

Das vervielfacht den Wert einer Datenerhebung, die oft mit erheblichem Aufwand verbunden war. Genau das verlangen auch die Standards guter wissenschaftlicher Praxis, denen wir im Exzellenzverbund und an der Freien Universität Berlin alle verpflichtet sind: Transparente und ethisch einwandfreie Forschung setzt voraus, dass Daten sorgfältig erhoben, systematisch dokumentiert und nachvollziehbar aufbereitet werden. Darüber hinaus können gut aufbereitete Daten Grundlage für Data Mining, KI-gestützte Analysen oder unerwartete interdisziplinäre Anschlussfragen werden – Potenziale, die bei unstrukturierten oder nicht zugänglichen Daten oft ungenutzt bleiben.

Was die rechtlichen Rahmenbedingungen solcher Szenarien anbelangt, besteht hier seitens der Forschenden – aber auch der wissenschaftsunterstützenden Mitarbeitenden – derzeit noch große Unsicherheit. Hier wollen wir mit dem Aktionstag unterstützen – und gehen dabei auch auf unterschiedliche Fächerkulturen ein. Denn was in der Physik als Standard gilt, ist in der Ethnologie oder der Geschichtswissenschaft vielleicht noch Neuland. Ansätze wie die im Programm vorgestellten neuen Data-Stewardship-Konzepte oder auch das Format „Teamarbeit statt Theorie" setzen genau hier an: FDM wird nicht abstrakt vermittelt, sondern gemeinsam mit Arbeitsgruppen in ihrem konkreten Forschungskontext verankert.

Forschungsdatenmanagement macht Forschungsergebnisse nachvollziehbar

Forschungsdatenmanagement macht Forschungsergebnisse nachvollziehbar
Bildquelle: ThisIsEngineering von Pexels

Der Aktionstag Forschungsdatenmanagement ist Teil des Projekts „Collaboratively Advancing Research Data Support“ (CARDS) der Berlin University Alliance. Was ist Kern des Projekts?
Geforscht wird heute nahezu ausschließlich digital oder datenbasiert – nicht nur im Hochleistungsrechnen, sondern auch dort, wo zum Beispiel wissenschaftliche Texte produziert werden. Der Umgang mit Forschungsdaten hat quer durch die Disziplinen an Relevanz gewonnen – nicht nur, aber auch weil Förderer, Fachgesellschaften und Forschungseinrichtungen verlangen, dass Forschungsdatenmanagement Teil der Forschung wird. Die Hochschulen müssen ihre Angehörigen also in die Lage versetzen, das auch umzusetzen. Genau hier setzt CARDS an. Alle vier BUA-Einrichtungen sind beteiligt.

Und wie kann das Projekt dazu beitragen?
Konkret verfolgen wir mit dem Projekt drei Ziele: Erstens soll FAIR-konformes Datenmanagement an den BUA-Einrichtungen einfacher werden. Das betrifft die Organisation von Forschungsdaten nach den vier Leitprinzipien Auffindbarkeit, Zugänglichkeit, Interoperabilität und Wiederverwendbarkeit. Wir wollen Hürden abbauen und praxistaugliche Lösungen erarbeiten. Dazu haben wir an der Technische Universität Tools für eine komfortable Datenmanagementplanung entwickelt, und die Humboldt-Universität hat verschiedene elektronische Laborbücher evaluiert, um die nachhaltige Daten-Dokumentation zu erleichtern.

Zweitens geht es darum, die Durchführung datenbasierter Vorhaben direkt dort zu systematisieren, wo der Bedarf entsteht, damit gutes FDM nicht vom Zufall oder von Einzelinitiativen abhängt. Dafür haben wir an der Charité ein Data-Stewardship-Konzept entwickelt und pilotiert, das ab Mitte 2027 BUA-weit umgesetzt werden soll: Insgesamt vier Data Stewards werden die Forschenden und die Verbundvorhaben der Alliance in der praktischen Forschungsdaten-Arbeit unterstützen, FAIRe Daten und Dateninfrastrukturen zu etablieren und Datenmanagement dauerhaft zu verankern – im Einklang mit den bestehenden Leitlinien, Infrastrukturen und Standards der Häuser ebenso wie der verschiedenen Fächerkulturen.

Und drittens soll es – das ist das Arbeitspaket der Freien Universität hier an der Universitätsbibliothek – Forschenden aller Statusgruppen ermöglicht werden, ihre FDM-Kompetenz aufzubauen und zu erweitern.

CARDS baut also Tools, Services und Bildungsangebote auf, die direkt im Forschungsalltag ansetzen. Im Kern geht es also nicht nur darum, Forschende bei der Erfüllung von Förderauflagen zu unterstützen, sondern FDM-Wissen zu verankern, Best Practices zu etablieren und die Qualität und Nachnutzbarkeit von Forschungsdaten am Wissenschaftsstandort Berlin insgesamt zu verbessern. Das gelingt nur, wenn Forschungsdatenmanagement für Forschende deutlich einfacher wird. Dort setzen wir an.

CARDS will dazu beitragen, dass Wissenschaftler*innen beim Umgang mit ihren Daten auch neue Möglichkeiten für ihre Arbeit entdecken?
Das wäre unsere Idealvorstellung. Gutes Forschungsdatenmanagement ist mehr als Compliance mit den Anforderungen der Förderer – es eröffnet oft neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Nachnutzung. Wer seine Daten sauber dokumentiert und „FAIRifiziert“, kann sie leichter mit Kolleg*innen teilen, in neuen Kontexten wiederverwenden oder auf diesen sogar Anschlussprojekte aufbauen. Dazu leisten unsere Tools und Services einen Beitrag.

So hat unser Data Steward zum Beispiel gemeinsam mit einer Forschungsgruppe einen Prozess implementiert, der die Arbeit einer Forschungsgruppe an der Charité deutlich erleichtert: Patientendaten werden automatisiert aus PDFs ausgelesen und in eine Datenbank eingespeist, statt diese manuell übertragen zu müssen, was zeitaufwendig und fehleranfällig war.

Forschungsdatenmanagement berührt alle Aspekte des Forschungsprozesses – es ist ein Querschnittsthema, das sich nicht im Alleingang bearbeiten lässt. Viele Herausforderungen wiederholen sich über Fächergrenzen und Einrichtungen hinweg, zum Beispiel rechtliche Fragen, technische Lösungen zum zugriffsbeschränkten Teilen von Daten in geschützten Räumen, leistungsfähige Instrumente für die Datendokumentation oder die Verankerung von Datenkompetenz in Lehre und Studium.

Wenn vier Häuser wie die der Berlin University Alliance ihre Erfahrungen bündeln, muss nicht jede Einrichtung das Rad neu erfinden, und Lösungen werden robuster, weil sie an unterschiedlichen Organisationsstrukturen und Fachkulturen erprobt wurden. Und weil die vier Häuser ihre jeweiligen Schwerpunkte und besonderen Expertisen und Kompetenzen einbringen konnten.

Weitere Informationen