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Wissenschaft in Berlin

Wir brauchen positive Perspektiven

28.11.2025

Der Mathematiker Günter M. Ziegler ist Präsident der Freien Universität Berlin.

Der Mathematiker Günter M. Ziegler ist Präsident der Freien Universität Berlin.
Bildquelle: David Ausserhofer

Im Herbst wird in Berlin das Abgeordnetenhaus neu gewählt, und wir sind längst im Wahlkampf angekommen. Ist der Politik präsent, welch zentrale Bedeutung die Wissenschaft für diese Stadt hat? Und dass die Hochschulen und die Freie Universität ganz vorn dabei sind? Was diese leisten können und leisten wollen – in Forschung, Lehre und Transfer –, darf nicht geringgeschätzt werden.

Angesichts der düsteren Zeit mit Krieg und Inflation fällt es zuweilen schwer, optimistisch zu bleiben. Eine schwierige Zeit auch für die Berliner Hochschulen: marode Gebäude, brüchige Infrastruktur, sogar die Stromversorgung ist nicht sicher. Gleichzeitig müssen die Hochschulen mit weniger Mitteln auskommen, als in den Hochschulverträgen ursprünglich vereinbart und müssen dafür sparen und streichen.

Doch wir brauchen positive Perspektiven! Es kann nicht darum gehen, wie viele Kürzungen die Wissenschaft noch aushält, sie muss ihr Potenzial entfalten können. Im Exzellenzwettbewerb ist der Berliner Universitätsallianz – der Berlin University Alliance, BUA – erneut Exzellenz bescheinigt worden. In der Evaluation wird die BUA „nachdrücklich ermutigt, ihr erhebliches transformatives Potenzial weiter zu entfalten“ und „Berlins Position als ein führender europäischer Forschungsraum zur Bewältigung komplexer globaler Herausforderungen weiter zu stärken“.

Dabei können wir uns große, positive Ziele vornehmen, etwa die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Zuvorderst das Ziel 4 „Hochwertige Bildung“: „Eine qualitativ hochwertige Bildung ist die Grundlage, um nachhaltige Entwicklung zu schaffen.“ Ziel 3 nennt: „Gesundheit und Wohlergehen“ und Ziel 8: „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“. Ziel 11 fordert „Nachhaltige Städte“ – dazu gehören auch Verkehrskonzepte – und Ziel 16 „Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen“. Wie wichtig in dieser Zeit! 

Es geht um Bildung und faire Chancen in einer diversen Gesellschaft, resiliente Urbanität angesichts des Klimawandels, gesundes Altern, positives Wachstum, Verlässlichkeit in einer fragilen Welt, demokratische Robustheit und vieles mehr: So vielfältig die in den Zielen genannten Herausforderungen sind, so facettenreich müssen auch die Beiträge der Wissenschaft sein. All diese Ziele können wir in Berlin konkretisieren und in einer positiven Vision zusammenführen. Die Weltausstellung Expo 2035 wäre dafür ein hervorragender Rahmen und ein produktiver Ort.

Die Berliner Wissenschaft kann Impulse für die Gestaltung der Zukunft geben. Das kann sie jedoch nicht ohne die Berliner Politik: Sie muss zeigen, was sie der Stadt und ihrer Wissenschaft zutraut – das sollte sie auch im Wahlkampf tun. Lasst uns Potenziale entfalten. Da ist die Freie Universität immer und weiter ganz vorn dabei.

Günter M. Ziegler ist Präsident der Freien Universität und Mitglied des Kuratoriums des Vereins „Global Goals“, der sich für die Expo 2035 in Berlin einsetzt.