Ein Fest für die Freude am Forschen
„Hier zeigt sich das enorme Potenzial für unseren Forschungsstandort“: Im Februar fand der erste Jugend-forscht-Regionalwettbewerb an der Freien Universität Berlin statt
09.03.2026
Fragen, werkeln, experimentieren, messen – die richtigen Schlüsse daraus ziehen und präsentieren: So funktioniert Forschung.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Donnerstagmorgen, Arnimallee 22: Im Foyer des Chemiegebäudes stehen 32 Tische bereit, dahinter Posterwände und Stühle. Im ersten Stock stapeln sich Getränkekästen, Kisten mit Wraps, Brezeln, Äpfeln und Bananen. Die Monitore zeigen das Tagesprogramm, die Rollups sind platziert, der Kaffee läuft gerade durch. Thorsten Grospietsch atmet tief ein und aus, sein Blick trifft den von Melanie Cyrach, sie nicken sich zu: Alles bereit, der Tag kann beginnen.
Zusammen haben der Referent für Studium und Lehre am Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie und die Biologie- und Chemielehrerin der Wilma-Rudolph-Schule den ersten Jugend-forscht-Regionalwettbewerb Berlin-Dahlem an der Freien Universität organisiert. Natürlich nicht allein, sondern mit viel Unterstützung aus den drei Fachbereichen Mathematik und Informatik, Physik und Geowissenschaften, von Kolleginnen und Kollegen und ehrenamtlich Helfenden. Dennoch: Hier vor Ort sind sie die Kommandozentrale – und das ist, wie der Schrittzähler von Thorsten Grospietsch am Abend zeigen wird, mit viel Beinarbeit verbunden.
Achterbahn, Zeppelin und Paprika
Jetzt stürmen die ersten Teilnehmenden herein, rollen ihre Poster aus, bauen ihre Experimente auf den Tischen auf: Mit Moos drapierte Platten, Modelle von Klassenräumen, Paprikapflanzen, eine Achterbahn, ein Zeppelin aus schwarzer Plastikfolie, Laptops, Reagenzgläser, Wasserbecken, Metallkugeln, Glashauben. Insgesamt 32 Projekte der Fachgebiete Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik und Technik sind am Start. Die Schülerinnen und Schüler der Altersgruppen bis 14 Jahre (Jugend forscht Junior) und 15 bis 21 Jahre (Jugend forscht) haben entweder allein, zu zweit oder zu dritt in ihrer Freizeit daran gearbeitet.
Noah, Anton und Lasse haben den BrisenBot entwickelt, eine Schaltung, die automatisch die Fenster im Klassenzimmer öffnet, wenn die Luft stickig zu werden droht. Salma und Joudi haben nachhaltige Düngemittel für Paprikapflanzen im Vergleich getestet, etwa Eierschalen oder Kaffee. Vincent hat verschiedene Versionen des Perpetuum Mobile, der unmöglichen Maschine, nachgebaut und anhand von physikalischen Gesetzen erklärt, warum sie nicht funktionieren können. Anton, Juri und Illia haben ein strategisches Computerspiel über einen Ameisenstaat programmiert, Martha hat untersucht, wie sich Fungizide auf Früchten nachweisen und vor dem Verzehr am besten entfernen lassen.
Die meisten Teilnehmenden wurden an ihrer Schule von Lehrkräften betreut, die heute auch dabei sind und den Tag dankbar mit einem Kaffee beginnen.
Der Wettbewerb zum Genießen und Selbstbewusstsein tanken
Kurz vor zehn kommt Universitätspräsident Günter M. Ziegler vorbei – eigentlich für die Begrüßungsrede. Vorher wird er für ein Video-Interview abgefangen: Die Schüler*innen Jonathan, Lotte und Laura sind mit Kamera und Mikro unterwegs, den ehemaligen Jugend-forscht-Bundessieger im Fachgebiet Mathematik/Informatik lassen sie sich nicht entgehen: „Wie war das, als Sie bei ,Jugend forscht‘ mitgemacht haben?“, fragt Jonathan. „Das war aufregend, ich war wahnsinnig nervös“, erzählt Günter M. Ziegler. „Ich habe mehrere Anläufe gebraucht, insgesamt drei Mal teilgenommen und eine Menge dazugelernt.“ „Und wie war es, als Sie gewonnen haben?“, fragt Laura. „Großartig. Ich habe es genossen und war sehr stolz“, sagt der Mathematikprofessor. „Und ich habe gemerkt, dass ich etwas kann und bin mit diesem Selbstbewusstsein ins Studium gegangen.“
Nach der Begrüßung im Hörsaal bereiten sich die Teams auf die Jury vor. Die Jurorinnen und Juroren begutachten nach und nach jeden Stand, studieren die Plakate, lassen sich Experimente zeigen, stellen Fragen, machen Notizen. Dann haben die jungen Forschenden Feierabend. Den Jurymitgliedern steht die schwerste Aufgabe noch bevor: ein Ranking zu erstellen, Preise und Sonderpreise zu vergeben. Das erstplatzierte Team einer Kategorie und Altersstufe qualifiziert sich für die nächste Stufe, den Berliner Landeswettbewerb.
Beeindruckt von den Präsentationen
„Ich habe sofort zugesagt, als ich für die Jury angefragt wurde“, sagt Biologieprofessorin Katja Nowick. Sie ist beeindruckt von den Ideen und den Präsentationen der Forschungsergebnisse. Den Wettbewerb findet sie wichtig, um Neugier und Freude am Forschen zu wecken.
Als alle Entscheidungen gefallen und Urkunden gedruckt sind, hat Thorsten Grospietsch laut Schrittzähler 18 Kilometer Strecke gemacht – viel mehr als ein Fußballspieler in einem Match. Aber im Regionalwettbewerb ist erst Halbzeit.
Der zweite Tag beginnt für die Teilnehmenden mit Exkursionen: Zum Forschungsbau SupraFab, in die Mitmachlabore NatLab und Physlab oder zum ExitGame über den Campus. Um 11 Uhr sind sie wieder an ihren Ständen, denn das Foyer ist nun für die Öffentlichkeit geöffnet. Es kommen: Eltern, Großeltern, Freundinnen und Freunde, Schulklassen sowie und ein paar Studierende und Lehrende der Freien Universität.
Unterstützung von Forschenden der Freien Universität
Biochemieprofessor Florian Heyd ist der Einladung gefolgt: „Eine großartige Gelegenheit, forschungsbegeisterte junge Menschen zu treffen und mit ihnen über ihre Ideen zu reden“, sagt er. So eine Veranstaltung gebe ihm Hoffnung für die Zukunft, in Zeiten, in denen die Nachrichten von negativen Meldungen dominiert werden. Die Teilnehmerin und (Spoiler!) Gewinnerin Martha wird er bei der Vorbereitung auf den Landeswettbewerb unterstützen: „Sie darf mit Fungiziden in der Schule nicht arbeiten. Deshalb habe ich ihr angeboten, ihre Experimente bei uns im Labor zu machen.“ Weitere Forschende der Freien Universität haben ihre Hilfe ebenfalls Teams angeboten.
Auch Benjamin Pölloth, Professor für Chemiedidaktik, ist fasziniert: „Hier zeigt sich das enorme Potenzial für unseren Forschungsstandort. Wir sollten gemeinsam daran arbeiten, solche Talente weiter zu fördern, indem wir Bildung stärken, statt sie zu kürzen.“
Um 13.30 Uhr ist es so weit: Die Hörsaal-Türen öffnen sich für das große Finale – die Preisverleihung. Live-Musik kommt von der Orchesterklasse und dem Oberstufenorchester der Wilma-Rudolph-Schule, los geht es mit dem „Pink Panther Theme“.
„Macht so oft mit, wie ihr könnt!“
Schülerreporter Jonathan Büssow vom Gymnasium Steglitz interviewt auf der Bühne einen berühmten Gast: Manuel Santos Gelke studiert Biochemie an der Freien Universität Berlin, hat früher selbst im Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ teilgenommen und ist jetzt als studentischer Juror dabei. Bekannt wurde er jedoch als Schauspieler – 2019 in den Rollen als Karl von TKKG und Otto in Benjamin Blümchen. Bis heute hat er neben dem Studium zahlreiche Gastauftritte in Serien.
Für „Jugend forscht“ konstruierte er ein spezielles Gerät zur Bekämpfung schädlicher Algen und krankheitserregender Keime in Aquarien und gewann beim Berliner Landeswettbewerb. Sein Fazit heute: „Ich liebe diesen Wettbewerb, macht so oft mit, wie ihr könnt!“ Die Erfahrung habe ihm bei der Entscheidung für sein Studienfach geholfen, ebenso beim Studium und bei Bewerbungen.
Dabei sein ist toll – gewinnen noch besser
Dann kommen nach und nach alle Teams auf die Bühne, nehmen Urkunden, Preise und Sonderpreise entgegen. Viel Freude und auch ein paar Tränen sind dabei. Neun Projekte sind für den Berliner Landeswettbewerb am 25. und 26. März an der TU Berlin qualifiziert. Nicht in allen Kategorien wurden erste Plätze vergeben, aber jedes Team erhält zumindest einen zweiten oder dritten Platz oder einen Sonderpreis – etwa ein Abonnement, eine exklusive Führung, ein Buch oder einen Bausatz – gestiftet von Unternehmen und Forschungseinrichtungen.
Als der Abbau beginnt, lässt die Anspannung nach. „Die meiste Angst hatte ich vor der Moderation der Preisverleihung“, sagt Wettbewerbsleiterin Melanie Cyrach. Aber dank der großartigen Unterstützung durch die FU-Mitarbeiter*innen habe das gut geklappt. „Die Veranstaltungstage waren für uns alle ein Kraftakt: Ohne die Teamleistung der Kolleg*innen aus den Fachbereichen und der Ehrenamtlichen hätte dieser Wettbewerb nicht stattfinden können.“
Jetzt nur noch aufräumen: Tische tragen, Flaschen sammeln, Posterwände zusammenklappen und die Slushie-Maschine reinigen, die am Nachmittag für einen Extra-Frische-Kick gesorgt hat. Als abends alles erledigt ist, hat Thorsten Grospietsch einen glatten Halbmarathon auf dem Schrittzähler – und ist happy: „Glückliche Teilnehmende, reibungsloser Ablauf, Lob von der zentralen Netzwerkkoordinatorin von „Jugend forscht“ – und eine tolle Stimmung im Team der Helfenden, was will man mehr?“
Weitere Informationen
- Webseite Jugend forscht Regionalwettbewerb Berlin-Dahlem mit allen Teilnehmer*innen und Gewinner*innen
- Webseite der Stiftung Jugend forscht e.V. mit Infos zu allen Wettbewerben
- Infos zum Landeswettbewerb Berlin am 25. und 26. März 2026
Kontakt:
- Melanie Cyrach, Leiterin des Regionalwettbewerbs Berlin Dahlem, E-Mail: wl.berlin-dahlem@wv.jugend-forscht.de
- Dr. Thorsten Grospietsch, Veranstaltungskoordinator an der FU Berlin, E-Mail: pb.berlin-dahlem@wv.jugend-forscht.de
























